"All these special words"


 

Kim schreibt auf ihrem Blog „All these special words“ über Bücher, die sie rezensiert und bewertet. Aber gleichermaßen gibt sie Tipps zum selber Schreiben. Deswegen habe ich sie eingeladen, einfach ein bisschen darüber zu erzählen. 

Immer öfter werde ich nach Tipps zum Schreiben gefragt, und die kann ich eigentlich nicht beantworten -  denn selber habe ich außer Deutschaufsätze noch keine richtigen Geschichten geschrieben... 

1. Liebe Kim, herzlich Willkommen bei „Theresas Bücherschrank“. Möchtest du erst einmal mit ein paar Worte über dich selbst erzählen?

Hi Theresa und vielen Dank für die Einladung. Ich bin so gut wie 22, studiere Germanistik und Archäologie und wohne mit meinem Freund in einer hübschen, kleinen Wohnung mit Aussicht über die ganze Stadt. Schreiben und Lesen sind meine größten Hobbies, mittlerweile sind auch noch das Klettern und das Tanzen dazu gekommen. Irgendeinen Ausgleich braucht man ja, wenn man immer am Schreibtisch sitzt.

2. Worauf legst du bei Büchern am meisten Wert? Auf die Handlung oder den Schreibstil des Autoren/der Autorin?

Das ist eine gute Frage. Eine gute Handlung bringt nichts, wenn der Schreibstil so schlecht ist, dass man gar keine Lust hat weiterzulesen. Andersherum bringt aber auch ein toller Schreibstil nicht viel, wenn die Handlung langweilig ist oder Lücken hat. Ich glaube, dass Wichtigste sind die Charaktere. Wenn die gut entwickelt sind, dann funktioniert eine Geschichte fast von allein.

3. Auf deinem Blog gibst du viele Tipps zum Schreiben. Sind das deine eigenen oder findet man die auch wo anders?

Ich schreibe ja mittlerweile schon über zehn Jahre selbst und irgendwann kam ich dann natürlich an einen Punkt, an dem ich mehr darüber erfahren wollte. Das heißt, ich habe super viel zu dem Thema gelesen, auf Blogs, in Büchern oder in Zeitschriften, so dass ich natürlich nicht behaupten kann, dass die Tipps von mir selbst stammen. Ich sehe mich da eher als eine Art Filtermaschine und versuche meinen Lesern dann das Gelernte auch irgendwie näherzubringen.

4. Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste beim Schreiben?

Ein Plot! Unbedingt. Früher habe ich immer ohne Plan geschrieben und nie irgendetwas vollendet. Seit ich mit Plot arbeite, geht es viel besser und vor allem schneller voran. 

5. Verfasst du auch selber Bücher?

 

 

Ja, aber veröffentlicht habe ich noch nicht wirklich. Vor ein paar Jahren habe ich mal eine Geschichte auf einem Fanfiction-Portal veröffentlicht, aber die habe ich mittlerweile wieder aus dem Netz genommen. Ich plane gerade eine kürzere Geschichte zu Weihnachten, die dann als Adventskalender auf meinem Blog erscheinen soll. Das wird dann wohl das erste Mal sein, dass ich mein Geschreibsel der Öffentlichkeit aussetze.

6. Wann hast du mit dem richtigen Schreiben angefangen? Gab es da einen konkreten Tag?

Du stellst Fragen. Da kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Ich schreibe schon, seit ich einen Computer benutzen kann. Glaube ich jedenfalls.

7. Worum geht es meistens in deinen Geschichten?

Meine erste vollendete Geschichte war eine reine Liebesgeschichte. Mittlerweile schreibe ich Geschichten, in denen nicht nur Liebe und Abenteuer vorkommt, sondern auch irgendein fantastisches Element. Im letzten NaNoWriMo habe ich mich an einer Art Thriller versucht, was zwar ganz gut geklappt hat, aber dann auch ziemlich schnell in der Schublade gelandet ist.

8. Was ist dein wertvollster Tipp?

Jeder kann schreiben. Dazu muss man kein Genie sein, sondern einfach nur Disziplin und Leidenschaft haben.

9. Wie schafft man es, durchzuhalten und bei einer Geschichte nicht den Mut zu verlieren, dass daraus sowieso nie ein Buch wird?

 

 

Warum muss man denn immer direkt schreiben, um zu veröffentlichen? Ihr solltet euch klar machen, dass ihr nicht für einen Verlag oder ein Publikum schreibt, sondern für euch selbst. Wenn ihr euch nicht selbst unter Druck setzt, dann schafft ihr es bestimmt auch durchzuhalten. So könnt ihr schließlich nicht den Mut verlieren.

10. Gibt es einen Autoren/eine Autorin, der/die dich besonders inspiriert oder ermutigt hat?

Joanne K. Rowling ist natürlich das absolute Vorbild. So einen neuen Harry Potter schreiben, will doch jeder. Aber auch Kai Meyer und Kerstin Gier inspirieren mich, weil sie immer wieder Fantasywelten erschaffen, die außergewöhnlich sind. Ich glaube, das ist etwas, was nur deutsche Autoren so grandios schaffen können.

11. Dein Lieblingsbuch?

Puh, noch so eine schwere Frage. "The Unbecoming of Mara Dyer" von Michelle Hodkin ist klasse, "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green hat mich heftig zum Weinen gebracht, genauso wie "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes. Und die "Arkadien-Reihe" von Kai Meyer sollte auch jeder Mal gelesen haben…Ich glaube, das reicht. Für den Rest müsst ihr mich auf meinem Blog besuchen. ;)

12. Gibt es Ratgeber zum Schreiben?

Jede Menge! Wenn ihr ganz gut in Englisch lesen könnt, empfehle ich euch die Ratgeber von Writer’s Digest. Die haben übrigens auch eine ganz tolle Website mit jeder Menge Tipps und Tricks. Wie man einen verdammt guten Roman schreibt von James N. Frey ist auch ein sehr gutes Buch. Wenn ihr mehr nach Übungen sucht kann ich euch Fiktionales Schreiben von Ron Kellermann empfehlen.

Außerdem sind auch das Schreibwerkstattforum und das TextArt Magazin sehr große Hilfen, was die Theorie betrifft.

13. Kritzelst du in der Regel deine Geschichten auf Blöcke, in Notizhefte oder tippst du die in deinen Computer?

 

 

Normalerweise schreibe ich mit Scrivener auf dem Computer (dazu gibt’s auf meinem Blog auch ein Tutorial). Wenn ich unterwegs bin, schreib ich aber auch mal in ein Notizbuch oder in der Uni auf meinem Collegeblock.

14. Gewinnst du viele Ideen aus deiner Umgebung? Familie oder Freunde

Indirekt vermutlich alles. Mein Studium ist sehr inspirierend, aber auch Fernsehsendungen oder Gespräche mit Freunden haben mir schon so manches Mal eine Idee eingebracht. 

15. Wie lange muss denn ein Buch sein, damit es als Buch bezeichnet werden kann? Also wie viele Seiten?

Hier kommt erstmal der Germanistik-Klugscheißer: Buch ist der Gegenstand und dieser kann von zehn bis…keine Ahnung, ab wie vielen Seiten man kein Buch mehr daraus machen kann…gehen. Aber da ich ja weiß, was du eigentlich wissen möchtest: Das kommt teilweise aufs Genre an, teilweise auch auf den Verlag. Ich denke, zwischen 250-500 Seiten ist alles in Ordnung. Dünnere Bücher empfinde ich meistens als zu teuer, ist aber auch möglich. Dickere Bücher lese ich zum Beispiel nicht so gerne, obwohl man da meistens echt viel für sein Geld bekommt. Dabei kommt es aber auch aufs Genre an, Fantasy und Familienromane sind gerne schon mal so dick. Wenn ihr eine Liebesgeschichte publizierend wollt, wird euch der Verlag vermutlich sagen, dass ihr erstmal zweihundert Seiten wegstreichen sollt. Das ist dann auch noch so ein Punkt: als Erstveröffentlichungen werden meistens auch lieber dünnere Bücher genommen.

Ihr seht also, eigentlich ist es ziemlich egal, wie viel ihr schreibt. Am Ende muss man meistens eh wieder etwas ändern. ;)


Der Link zu der Seite: All these special words:

 

http://allthesespecialwords.blogspot.de


Und hier noch ein Ausschnitt aus der Geschichte, die Kim für den NaNoWriMo geschrieben hat:

Die Tür ging knarzend auf.

«Hallo?», rief sie in die Dunkelheit. Als ihr niemand antwortete, schob sie die Tür weiter auf und betrat den dunklen Raum. «Arjen?»

Sie tastete nach einem Lichtschalter, aber fand keinen. Er hatte nur die kleinen Lampen in den Ecken. Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit und sie schlich weiter vor.

«Arjen? Bist du da?» Sie stand mitten im Raum und lauschte. Nichts. Sie versuchte sich zu erinnern, wo die große Standlampe stand und tastete sich um das Sofa herum.

Plötzlich schlug die Haustür zu. Marie hielt inne und drehte sich um. Ein großer Schatten lehnte neben der Tür und keuchte laut. Ihre Finger tasteten nach dem Schalter, doch kurz bevor sie ihn gefunden hatte, bemerkte sie, dass der Schatten weinte. Sie lauschte für einen Moment, dann kam sie sich schrecklich vor.

«Arjen», flüsterte sie in Dunkelheit. Er hielt den Atem an und lauschte. Sie tastete sich wieder am Sofa vorbei in die Mitte des Raums. «Ich bins.»

«Was machst du hier?» Seine Stimme klang drückend, als würde er sich bemühen, keinen Brüll loszulassen.

Sie hatte ihn fast erreicht, als seine Hand plötzlich über den Tisch fegte, der an der Tür stand und Geschirr zu Boden fiel und zerbrach. Marie schreckte zurück. Arjen schluchzte auf und ließ sich auf die Knie fallen. Vorsichtig machte Marie ein paar Schritte auf ihn zu und ließ sich vor ihm nieder. Sie streckte ihre Hände aus und legte sie an seine heißen, Tränen benetzten Wangen.

«Es tut mir so leid», flüsterte sie und streichelte ihn vorsichtig. Er packte ihre Handgelenke und drückte sie sanft, aber bestimmt runter.

«Geh.»

«Was?» Marie keuchte. «Nein. Nein, ich werde nicht gehen.» Sie suchte mit den Händen nach seiner Brust. «Ich möchte es dir wenigstens erklären.»

«Damit du dich besser fühlst?»

Als hätte er sie geohrfeigt, ließ sie sich dumpf auf ihr Hinterteil fallen. Die Tränen brannten in ihren Augen, während sie fieberhaft nach den richtigen Worten suchte.

«Ich möchte nicht, dass du den Versuch mitmachen musst», sagte sie leise. «Aber ich weiß, dass du einer von den wenigen Menschen der Insel bist, die es locker schaffen können, einer von denen, die keine Angst vor den Forschern haben.» Sie sprach aus, was ihr die ganze Zeit im Kopf herumgegeistert war. «Ich habe zugestimmt, weil ich weiß, dass du perfekt geeignet bist. Und weil ich weiß, dass wir den Versuch jeder Zeit abbrechen können, wenn es zu viel wird.»

«Ach ja?» Arjen sprang auf und kurz darauf ging das Licht in der Ecke an. Er zog sie auf die Füße. «Dann erklär mir mal, wieso Stefan nach dem letzten Experiment unter Angststörungen litt. Er war ein starker Mann, hatte seine Gefühle gut unter Kontrolle und nichts hätte je darauf hingewiesen, dass er geistige Probleme bekommen könnte.»

Marie hielt die Luft an.

«Sie haben ihn gebrochen.» Er öffnete die Tür. «Sie haben sein Innerstes zerstört und sich nicht darum gekümmert, ihn wieder aufzurichten. Damit, dass du zugestimmt hast, machst du dich ebenso schuldig, an dem was mit uns geschehen wird, wie die anderen Forscher. Und jetzt verschwinde!»

Er stieß sie grob aus der Tür und knallte sie vor ihr zu. Betäubt vor Entsetzen rutschte sie vor der Tür auf den Boden und vergrub den Kopf zwischen den Beinen. Erst als die Kälte sie vollkommen starr gemacht hatte, stand sie wieder auf und machte sich auf den Heimweg.