Stefanie Maucher

1. Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?

Kurz umrissen: Ich lebe, mit einem Mann, 2 Teenie-Töchtern und 2 Katzen, in der Buchstadt schlechthin, in Leipzig. Diesen Ort zum Leben habe ich mir selbst ausgesucht, was zur Erfüllung des Traums vom Glück schon mal nicht schlecht war und auch neue Hobbys mit sich brachte. In Leipzig kann man im Sommer super Kajak fahren, überall gibt es kleine Bootsverleihe, und obendrein ist die Stadt voll mit interessanten Ruinen. Ich bin, seit ich hier lebe, zur Wasserratte und Lost Place Touristin geworden und krebse oft in alten, verlassenen Bauwerken herum.

Was die zu besitzenden Gaben angeht: Ich bin mit dem, was ich mitbekommen habe, außerordentlich zufrieden – mit meinem „Schreibtalent“.

2. Wie kamen Sie zum Schreiben?

Zum Schreiben kam ich eigentlich zufällig. Mein Lebensgefährte verbrachte längere Zeit im Krankenhaus, weshalb ich fürchterlich viel freie Zeit hatte, die es irgendwie totzuschlagen galt, ohne sich ständig Sorgen zu machen. Also suchte ich mir eine Beschäftigung – Schreiben - und so entstand in Rekordzeit mein erster Roman. Auf den Geschmack gekommen, beteiligte ich mich danach an einem urbanen Kurzgeschichten- Wettbewerb, ausgerichtet von Droemer/Knaur und noch 2 kleineren Verlagen. Meine Geschichte landete auf dem dritten Platz und erste Vertragsangebote trudelten bei mir ein. Ich merkte, dass ich aus der Schreiberei tatsächlich etwas machen könnte, was am Ende auch ein paar Brötchen auf den Tisch zaubert und blieb dabei. Wer würde das nicht, wenn sich ein Job derart anbietet, den man nicht nur widerwillig macht, sondern liebt?

3. Wie finden Sie Ihre Themen und Namen der Charaktere?

Die Themen fliegen mir mehr oder weniger zu. Ich habe viele Ideen und eine lebhafte Phantasie, weshalb es mir viel schwerer fällt, mich auf ein konkretes Projekt festzulegen, als überhaupt eins zu finden. Was die Namen meiner Charaktere angeht bin ich oft weniger kreativ, also befrage ich meine Leser auf Facebook, lasse sie sozusagen am Entscheidungsprozess teilhaben und erleichtere mir den damit. Außerdem schanze ich meinen Testlesern kleine Rollen zu, oder verlose auch die in meinen sozialen Netzwerken. Selbst die Psychopathen werden gerne von meinen Lesern besetzt.

4. Was lesen Sie selber gerne?

Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Science Fiction. Seltener greife ich zu Autobiografien, zumeist wenn eine furchtbare Geschichte dahintersteckt, und von Liebesromanen lasse ich normalerweise ganz die Finger.

5. Wer sind Ihre Lieblingsautoren?

Allen voran: Mark Z. Danielewski. Sein „House of Leaves“ finde ich herausragend und ich mag es, wie er mit Sprache, Formaten, dem Layout… experimentiert.

Stephen King besetzt gleich mehrere Reihen im Bücherregal, den entdeckte ich, als ich 14 war und seitdem sammeln sich seine Werke.

Edgar Allan Poe finde ich sprachlich genial, Phillip K. Dick hat es mir ebenfalls angetan und ich besitze eine komplette Sammlung von Isaac Assimovs „Science Fiction Magazine“.

6. Wer ist Ihr liebster Romanheld?

Es ist eine Heldin. „Morgaine die Fee“ aus Marion Zimmer Bradleys „Die Nebel von Avalon“.

7. Hatten Sie ein besonderes Erlebnis als Autorin? Welches war das?

Etwas Besonderes war mit Sicherheit mein erster Besuch auf einer der Buchmessen. Da war alles dabei: Vom Aufschrei des Entzückens und stolzem Selfie vorm Verlagsstand, an dem mein Cover hing, über eine Plauderei mit dem Kollegen Fitzek, der mir viel Glück bei meiner ersten eigenen Lesung wünschte, hin zu 50 Bloggern, die mich bei einem Meet& Greet mit Fragen bestürmten und nächtlichem Tanzen auf Verlagsparties, obwohl die Füße kaum noch tragen wollten. Und nebenbei ergatterte ich mir noch ein Autogramm von Arnold Schwarzenegger, auf meinem Zweitkopf – einer Terminator-Sammlerausgabe, die ich dafür quer über die Buchmesse schleppte.

8. Können Sie uns einen Lesetipp geben?

Emma Donoghues „RAUM“. Das Buch fand ich richtig toll. Spannend, eine böse Geschichte, aber trotzdem ans Herz gehend und auch voll mit kleinen, wundervollen Gedanken, die einem die Tränen in die Augen treiben.

9. Was ist Ihr nächstes Projekt?

Ich schreibe zurzeit an mehreren Dingen. Zum einen an einer Dystopie, zum anderen an einer eher klassischen Horror-Spukhausgeschichte, in der ich mit verschiedenen Stilmitteln experimentiere. Zum Beispiel mit kryptischen Botschaften, mit Text, der im Text verborgen ist. Überhaupt wird das ganze Buch aufgebaut sein, wie eines dieser russischen Holzpüppchen. Wie eine Matroschka … das Buch führt in sich immer tiefer, erzählt die Geschichte verschiedener Menschen, bis hin zum Ursprung der unheimlichen Geschehnisse.

Mal sehen, welches der Projekte zuerst fertig wird.

10. Haben Sie sich schon einmal gewünscht, im Nachhinein etwas an Ihren Büchern ändern zu können?

In „Kalte Berechnung“ gibt es eine Kleinigkeit, die ich wirklich gern ändern würde. Ein Fehler, der den Wenigsten auffallen dürfte, und der von der Korrektorin eingebaut wurde. Die Opfer in meiner Geschichte wurden in meinem Originaltext in der Mulde gefunden – einem ostdeutschen Fluss. Die Korrektorin machte daraus „eine Mulde“, was leider den gesamten Sinn entstellt. So werden meine Opfer nun in einem undefinierten Drecksloch gefunden, was von mir natürlich nicht beabsichtigt war. Das jedoch noch zu ändern hätte einen Verkaufsstopp von mehreren Wochen mit sich gebracht, was zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weder ich noch der Verlag wollten.

11. Mit welchem Ihrer Charaktere würde Sie gerne einmal einen Tag verbringen? Was würden sie zusammen unternehmen?

Auf diese Frage kann ich eigentlich nur humorvoll antworten: Mit meinem Franklin – dem Protagonisten aus meinem Erstling. „Franklin Gothic Medium“ erzählt, mit viel schwarzem Humor, die Geschichte eines Kannibalen. Vermutlich würden wir den ganzen Tag in der Küche stehen und leckere Rezepte aus seinem selbstgeschriebenen Kochbuch ausprobieren.

12. Schreiben Sie auch sonst gerne Artikel für Magazine? Worin liegen Ihrer Meinung nach die Unterschiede, wenn es um kleine Artikel geht und wenn man ein Buch schreibt?

Ich habe mich wirklich hauptsächlich aufs Schreiben von Belletristik festgelegt. Abseits davon gibt es nur wenig von mir Veröffentlichtes. Nen kleinen Beitrag für den Kulturteil der Stuttgarter Zeitung durfte ich mal verfassen und im Stuttgarter Literaturhaus vortragen. Dabei ging es hauptsächlich darum, eine gewisse Zeichenzahl nicht zu überschreiten. Im Buch hat man einfach Platz, eine Geschichte so zu erzählen, wie man sie erzählen möchte.

13. Was fällt Ihnen am Entstehungsprozess eines Buches sehr leicht, was schwer? Vielleicht gibt es auch etwas, was Sie total super oder total fürchterlich finden?

Sehr leicht fällt mir gewöhnlich das Schreiben, die Arbeit, auch das Überarbeiten. Am Ende mit einer gewissen Ungeduld, weil man fast fertig ist und die VÖ kaum noch erwarten kann. Der wirklich harte Teil kommt danach: Die anfänglichen Tage des großen Schweigens, bis das erste Leserfeedback eintrudelt. So lange bibbert und zittert man, selbst wenn man sich größte Mühe gab und denkt, man hat eine unterhaltsame Geschichte auf den Markt gebracht.

14. Wie leicht oder schwer ist es für Sie, Ihre Buchidee jeweils bei einem Verlag unterzubringen?

Darauf gibt es keine generelle Antwort. Meinen Erstling bot ich nur wenigen Verlagen an, keiner davon wollte ihn haben. Für mein nächstes Ding, „Kalte Berechnung“, bekam ich gleich mehrere Vertragsangebote und konnte frei wählen. „Fida“ bekam ich ebenfalls mühelos unter, lehnte ein erstes Angebot ab, publizierte selbst, ging danach doch zu einem Kleinverlag, kehrte dann aber nach nicht ganz einem Jahr zum Selfpublishing zurück – aus Gründen. Für mein nächstes Buch werde ich mir gar keinen Verlag suchen, sondern mich selbst um alles kümmern.

15. Wie organisieren Sie einen Schreibprozess? Wie lange brauchen Sie für ein Buch?

Ich plotte nur wenig, habe aber eine konkrete Figur, inklusive der groben Handlung im Kopf, wenn ich losschreibe. Man muss einer Story auch Raum lassen, sich zu entfalten. Ich arbeite viel nach Gefühl, füge das ein, wovon ich denke, das treibt die Geschichte voran und hält den Spannungsbogen oben. Das kann ich nicht exakt vorausplanen. Wie lange ich dafür brauche lässt sich ebenfalls schwer kalkulieren, was aber hauptsächlich daran liegt, dass ich mir meine Texte nicht abringe, sondern meist nur daran schreibe, wenn ich auch wirklich Lust drauf hab und mir das tägliche Leben nicht in die Quere kommt.

16. Bei Ihrer ersten Buchveröffentlichung: Was haben Sie von der Buchveröffentlichung damals erwartet und was davon ist in Erfüllung gegangen?

Naja, ganz zu Anfang, als ich mein erstes Ding bei einem Verlag einreichte, dachte ich noch, die Buchbranche würde sofort reagieren und hätte auf mich nur gewartet. Ein Dreivierteljahr warten auf eine Absage erdete mich jedoch ziemlich schnell. Nachfolgend hat sich aber bestätigt, worauf ich anfangs gehofft hatte: Ich konnte mir eine Leserschaft erschreiben, die von Tag zu Tag weiter anwächst, und die meinen Büchern hoffentlich auch künftig treu bleiben wird.

17. Haben Sie je Schreibworkshops besucht? Helfen diese tatsächlich weiter?

Nein, habe ich nicht. Sicher ist Schreiben auch ein Handwerk, das man bis zu einem gewissen Grad auch bei solchen Workshops erlernen kann, vermutlich machen die Spaß und sind hilfreich, das mitgebrachte Talent und ein Gefühl für Sprache sollte man aber schon mitbringen. Das bekam ich glücklicherweise frei Haus geschenkt. Meine „Ausbildung“ bestand vielmehr darin, dass ich sehr gerne und viel lese. Vermutlich entwickelt man auch dadurch ein Gefühl dafür, wie eine gute Geschichte aufgebaut ist, was Spannung trägt, oder wie man einen Cliffhanger ans Ende eines Kapitels baut.

18. Schreiben Sie lieber für Kinder und Jugendliche oder für Erwachsene?

Ich schreibe hart, spannend, oft realitätsnah … Kindern würde ich meine Bücher gar nicht empfehlen. Selbst bei sehr Jugendlichen hatte ich anfangs meine Bedenken, da es. Speziell in Fida, in meinem Büchern schon auch explizite Szenen gibt. Allerdings habe ich selbst 2 Töchter, 15 und 17 Jahre alt, und beide haben meine Bücher gelesen und überstanden, ohne gravierende seelische Schäden davonzutragen. Sie fanden sie sogar gut. Jugendliche mit einem gewissen Reifegrad würde ich also ranlassen, meine Bücher aber vorwiegend (jungen) Erwachsenen empfehlen.


Vielen Dank für Ihre Antworten!

 

 

Zu Dem Buch kommt ihr durch den Link! Eine Rachegeschichte! Außerdem findet ihr dort Bilder zur Schauplatzbesichtuígung...