Ralf Kurz

Ralf Kurz hat diesen Sommer eine ganz besondere Aktion! Jeden Monat könnt ihr einen anderen Roman lesen, den ganzen Sommer lang. Juni, Juli, August und September! In diesem Sinne, einen schönen Lesesommer an euch alle. Aber bevor ihr mit dem Lesen von den Ralf Kurz-Büchern beginnt, hier ein kleines Interview mit dem Autor mit sehr interessanten, langen und ausführlichen Antworten über das Leben von Ralf Kurz, seine Lesetipps, sein nächstes Projekt und noch vieles mehr... 

1. Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?

Ich lebe in einem idyllischen kleinen Tal, wo das Stadtgebiet von Freiburg in den Schwarzwald übergeht. Hier, abseits jeglicher Hektik, wo sich Fuchs und Hase, Graureiher und Steinmarder gute Nacht sagen, genieße ich die zum Schreiben notwendige Ruhe. Das kommt meinem Traum vom Glück schon ziemlich nahe. Wenn ich über kurz oder lang alleine von meiner Autorentätigkeit leben kann, ohne nebenbei noch etwas dazuverdienen zu müssen, ist alles perfekt.

 

Den größten Teil meiner Zeit verbringe ich am Schreibtisch, weshalb ein körperlicher Ausgleich notwendig ist: im Sommer laufen, Rad fahren und gelegentlich schwimmen und im Winter Ski fahren, eine Sportart, die ich leidenschaftlich gerne betreibe. Als mentalen Ausgleich zum Schreiben spiele ich regelmäßig Billard und, last but not least, meine Gitarre und der Blues begleiten mich schon mein Leben lang.

 

Wenn ich mich ärgere, steckt meist ein Politiker dahinter. Mandatsträger orientieren sich selten am Willen des Volkes, was eigentlich ihre Prämisse sein sollte, sondern meist an ihrer eigenen Wiederwahl. Der eklatante Mangel an politischem Weitblick, der mir oft wie der Verlust des gesunden Menschenverstandes erscheint, ruft bei mir mit unschöner Regelmäßigkeit ein ärgerliches Kopfschütteln hervor. Einen produktiven Weg, diesen Ärger zu kanalisieren, habe ich nun eingeschlagen. Ich arbeite an einem Sachbuch, das sich mit einem brisanten politischen Thema beschäftigt (Arbeitstitel: Der Rentnertsunami).

 

Die Gabe des Geschichtenerzählens wurde mir in die Wiege gelegt und ich bin auch recht musikalisch, doch zum Zeichen und Malen fehlt mir jedes erkennbare Talent. Ich würde wirklich gerne Portraits und Karikaturen zeichnen können.

2. Wie kamen Sie zum Schreiben?

Ganz einfach: ich lernte das Alphabet! Schon in der Grundschule stellten Lehrer immer wieder meine blühende Phantasie heraus und Deutsch war neben Sport stets mein Lieblingsfach, vor allem das Schreiben von Aufsätzen. Als Jugendlicher schrieb ich für die Schülerzeitung, wurde später deren Chefredakteur und Pressewart im Sportverein. Ich schrieb Geschichten, die ich an launigen Abenden im Freundeskreis vorlas und der Aufforderung „Schreib doch mal ein Buch!“, die ich immer wieder zu hören bekam, musste ich eines Tages einfach Folge leisten. 2005 erschien mein Debüt „Sdaiv“ und in einigen Wochen kommt nun mit „Kopf oder Zahl“ mein zehnter Roman auf den Markt.

3. Wie finden Sie Ihre Themen und Namen der Charaktere?

Da ich überwiegend Kriminalromane schreibe, muss ich zwischen „Thema“ und „Idee“ unterscheiden, zwei Komponenten, die ich zu einer Geschichte zusammenfüge. Während mir die Ideen einfach zufliegen und ich selektieren muss, weil ich sonst jede Woche ein Buch schreiben könnte, finde ich Themen in meiner Umgebung (Beispiel „Straßenkinder“ in meinem Roman „Im Schatten der Wahrheit“, ein trauriges Phänomen, das es in jeder Stadt gibt – oder eine Unterhaltung in der Sauna mit einem Professor für Mikrobiologie über die Tuberkuloseforschung, die schließlich den Anlass für  „Die Honigspur“ gab). Auf die Themen „mathematische Forschung“ und „NSA“ in meinem aktuellen Roman wurde ich durch  verschiedene Dokumentationen auf Arte, Phoenix, N24, ZDFInfo etc. aufmerksam.

 

Das Finden von Namen ist mir immer ein besonderes Vergnügen, dem ich mich mit Sorgfalt widme, denn der Name muss zum jeweiligen Charakter passen. Der Kommissar meiner Krimireihe lautet „Bussard“, was eine scharfe Beobachtungsgabe und präzises Zugreifen impliziert.  Die Bandbreite der Namen in einem Buch soll aber auch ein möglichst realistisches Bild der (regionalen) Gesellschaft widerspiegeln, weshalb es auch Charaktere mit häufig vorkommenden Namen („Bauer“ oder „Wegner“) gibt. „Schweizer“ und „Hügle“ sind in Freiburg und Umgebung wesentlich weiter verbreitet als „Momsen“ und „Grabowski“. Nach Vor- und Zunamen für „ausländische Charaktere“ suche ich im Internet auf Kulturseiten des jeweiligen Landes.

4. Was lesen Sie selber gerne?

Am liebsten lese ich Bücher über Themen, von denen ich selbst wenig oder keine Ahnung habe. Das Sachbuch „Die Musik der Primzahlen“ hat mir ebenso gut gefallen wie „Die Tränen des Teufels“, ein Kriminalroman, bei dem man einiges über die Kunst der Handschriften-Analyse erfährt. In der Regel gefällt mir ein Buch umso besser, je höher der Informationsgehalt ist. Umgekehrt mag ich keine Bücher, die schlecht recherchiert sind und die deshalb logische Fehler oder Anachronismen (bei historischen Romanen) aufweisen.

5. Wer sind Ihre Lieblingsautoren?

Lieblingsautoren im eigentlichen Sinne habe ich nicht, aber es gibt Schriftsteller, deren Bücher mich im Lauf der Jahre beeindruckt haben:  Franz Kafka (Gesamtwerk), Alexandre Dumas („Der Graf von Monte Christo“), Alexander Solschenizyn („Der erste Kreis der Hölle“), Robert Pirsig („Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“), Leo Tolstoi („Krieg und Frieden“) und José Saramago („Die Stadt der Blinden“), um nur einige zu nennen.

6. Wer ist Ihr liebster Romanheld?

Edmont Dantes

7. Hatten Sie ein besonderes Erlebnis als Autor? Welches war das?

Ja, in der Tat! Als „Der Diplomat“, ein Portraitroman über Johann Christian Freiherr von Hofenfels (1744 – 1787) erschien, erhielt ich eine Einladung der Stadtverwaltung von Zweibrücken. Die offizielle Präsentation des Romans, der zum großen Teil im pfälzischen Zweibrücken und in Bayern spielt, fand im Herzogssaal des Zweibrücker Rathauses statt, einem Gebäude, in dem der Held meines Buches mehr als zweihundert Jahre zuvor selbst ein- und ausging. Das absolute Nonplusultra war jedoch eine Einladung, die ich einen Tag später erhielt. Die Leiterin der von  Pfalzgraf Karl I. von Pfalz-Birkenfeld im 16. Jahrhundert gegründeten „Bibliotheca Bipontina“ öffnete mir ihren Tresor und präsentierte mir bibliophile Schätze, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind: eine handgeschriebene Miniaturbibel aus dem 13. Jahrhundert (Wert: über 500.000 Euro), das Notizbuch eines Alchimisten aus dem 16. Jahrhundert, handschriftliche Erlasse der Herzöge von Zweibrücken aus dem 17. und 18. Jahrhundert und eine zeitgenössische Ausgabe der Werke von Voltaire, die Freiherr von Hofenfels um 1780/81 selbst ausgeliehen hatte! Jeder Bücherfreund wird verstehen, dass dies ein unbeschreiblich faszinierendes Erlebnis war.

8. Können Sie uns einen Lesetipp geben?

Aber sicher, unzählige sogar, aber ich will mich hier auf drei beschränken: 

 

Das Buch, das mir in den letzten Jahren mit Abstand am besten gefiel, ist „Die Stadt der Blinden“ von José Saramago. Der Portugiese, der 1998 den Literatur-Nobelpreis erhielt, beschreibt in diesem Roman die Bewohner einer Stadt, die nahezu alle plötzlich erblinden. Er zeichnet dabei nicht nur ein beeindruckendes Bild einer darwinistischen  Gesellschaft, sondern verwendet dabei eine Sprache (und vor allem eine Zeichensetzung!), die ihresgleichen sucht – literarisch herausragend und ein absoluter Lesegenuss!

 

Älteren Schülern und Studenten empfehle ich das Buch „Ich bin Charlotte Simmons“ von Tom Wolfe, ein entlarvender Campus-Roman über den American Way of Life.  Bis in die Haarspitzen angefüllt mit Träumen, Hoffnungen und Erwartungen verläuft der Wechsel von der High School an die Universität ganz anders als die schon bald desillusionierte Heldin sich das vorgestellt hat. Der Tempel des Wissens entpuppt sich als Hort einer Zwei-Klassen-Gesellschaft mit sehr ungleich verteilten Rollen, in der Sex kein Bedürfnis, sondern Maßeinheit gesellschaftlichen Ansehens ist.

 

Wer gerne Kriminalromane liest und sich ein ungewöhnliches Buch aus diesem Genre zu Gemüte führen möchte, dem sei „Mord im Labyrinth“ von Robert van Gulik empfohlen. Der Roman, der auf alten Originalquellen basiert, spielt in China der Tang-Dynastie (etwa 600 bis 900 n. Chr.). Richter Di wird in eine entlegene Provinz versetzt, wo er im Stil eines Sherlock Holmes verzwickte Verbrechen aufklärt – ein exotisches Setting, liebevolle Charakterzeichnungen und ein hervorragend konstruierter Plot.

9. Was ist Ihr nächstes Projekt?

Zurzeit arbeite ich an meinem ersten Sachbuch „Der Rentnertsunami“, einer Katastrophe, die uns in zehn Jahren treffen wird. Die geburtenstärksten Jahrgänge des letzten Jahrhunderts (1960 bis 1970) werden ab dem Jahr 2025 in Rente gehen, doch für die Rentenzahlungen wird kein Geld vorhanden sein, weil der Anteil der Rentner an der Gesamtbevölkerung dramatisch ansteigt (rückläufige Geburtenzahlen und steigende Lebenserwartung). In der Politik wird das Problem totgeschwiegen, doch die Zeche werden diejenigen zu zahlen haben, die heute in das Arbeitsleben eintreten. Es muss dringend etwas unternommen werden, denn die Zukunft der nächsten Generation steht auf dem Spiel!

 

Vom 08. bis 12. Oktober 2014 werde ich auf der Frankfurter Buchmesse meinen neuen Roman „Kopf oder Zahl“ präsentieren (Band vier aus der Kommissar-Bussard-Reihe). Anschließend werde ich mit der Arbeit am fünften Band beginnen, der bis März 2015 fertig sein soll. Danach … mal sehen – entweder ein historischer Roman oder ein Thriller, sofern mich keine andere Idee mitreißt.

10. Haben Sie sich schon einmal gewünscht, im Nachhinein etwas an Ihren Bücher ändern zu können?

Ja. Für meinen Roman „Der Diplomat“ stellte der Verlag leider kein Budget für ein Lektorat zur Verfügung (was bei einem 800-Seiten-Manuskript mindestens 2.000 Euro gekostet hätte). Das Buch hätte sicherlich gewonnen, wenn ich auf die Kritik eines Lektors hätte zurückgreifen können. So tauchen auf der ersten fünfzig bis hundert Seiten zu viele Personen auf, was den Überblick für den Leser erschwert, auch wenn ich dem Roman eine Auflistung der wichtigsten Personen vorangestellt habe.

11. Mit welchem Ihrer Charaktere würde Sie gerne einmal einen Tag verbringen? Was würden sie zusammen unternehmen?

In meinem Roman „Die Ziege im Anzug“ taucht eine Fotografin namens Isa Jones auf. Sie ist die beste Freundin der Heldin, erfrischend unkompliziert und mit einem trockenen Humor gesegnet. Mit ihr würde ich gerne in einem Elsässer Café frühstücken, einen halben Tag lang mit dem Motorrad durch die französischen Vogesen touren, den Nachmittag an einem versteckten See verbringen, in einer lauschigen Auberge zu Abend essen, französischen Wein trinken und ein schnuckeliges Zimmer für die Nacht mieten.

12. Schreiben Sie auch sonst gerne Artikel für Magazine? Worin liegen Ihrer Meinung nach die Unterschiede, wenn es um kleine Artikel geht und wenn man ein Buch schreibt?

Einer Anfrage eines Magazins für einen Artikel würde ich vermutlich nachkommen, doch von mir aus suche ich den Kontakt nicht. Ich schreibe am liebsten Romane, auch wenn ich dieses Jahr zwei Auftragsarbeiten übernommen habe: eine Kurzgeschichte für eine Anthologie und ein Bühnenstück (Kriminalstück für ein Orchester).

 

Einen Artikel und ein Buch kann man kaum miteinander vergleichen. Für einen Artikel benötigt man ein, zwei Tage – für ein Buch Monate! In einem Artikel handelt man ein Thema ab, doch bei einem Roman ist vieles zu beachten: Charaktere, Spannungsbogen, Chronologie, Ursache-Wirkung, Motivation usw. Es ist, als ob man ein Butterbrot mit einer Schwarzwälder Kirschtorte vergleicht.

13. Was fällt Ihnen am Entstehungsprozess eines Buches sehr leicht, was schwer? Vielleicht gibt es auch etwas, was Sie total super oder total fürchterlich finden?

Das ist einfach: Alles fällt mir leicht und alles finde ich total super – naja, fast alles. Ich liebe das Schreiben und das Erzählen. Die Geschichten fließen fast wie von selbst aus meiner Feder und die Zeit zwischen der ersten Idee und dem letzten Satz des ersten Entwurfs ist immer großartig. Dann jedoch beginnt ein zäher Prozess. Ich muss den ersten Entwurf lesen, überarbeiten, korrigieren, mit drei, vier Wochen Abstand noch einmal lesen, zum zweiten Mal überarbeiten und zum zweiten Mal korrigieren, bevor ich das Manuskript an den Verlag schicke. Zwei Wochen später erhalte ich es mit den Anmerkungen des Lektors zurück.  Es ist wichtig und notwendig, die Kritik des Lektors in das Manuskript einzuarbeiten, denn als Autor hat man nur die Innenansicht und der Blick von außen, die Perspektive des Lesers, fehlt. So lese ich den Roman zum dritten Mal, überarbeite ihn zum dritten Mal und sende ihn wieder an den Verlag. Diese Version bekomme ich mit Anmerkungen aus dem Korrektorat zurück, woraufhin ich noch letzte Fehler oder Unstimmigkeiten ausmerze. Die nächste Version ist die sogenannte Druckfahne, die mir der Verlag schickt (das Buch ist gesetzt, d.h. Schriftgröße, Schriftschnitt und Seitenaufbau entsprechen den späteren Buchseiten). Diese Version muss ich noch einmal mit höchster Aufmerksamkeit lesen, denn ich muss die Freigabe erteilen, damit das Werk in Druck gehen kann. Dieser ganze Prozess, in dem ich den Roman, an dem ich bereits mehrere Monate gearbeitet habe, innerhalb weniger Wochen noch vier- bis fünfmal lesen muss, ist anstrengend und macht wenig Spaß, doch um der Qualität willen ist er unverzichtbar.

14. Wie leicht oder schwer ist es für Sie, Ihre Buchidee jeweils bei einem Verlag unterzubringen?

Das ist unterschiedlich. Meine drei ersten Romane „Sdaiv“, „Der Diplomat“ und „Die Ziege im Anzug“ wurden sofort vom Freiburger Schillinger Verlag angenommen. Der Mannheimer Wellhöfer Verlag wartet jedes Jahr auf ein neues Manuskript von mir für die Kommissar-Bussard-Reihe. Für meine Kriminalromane muss ich also nicht nach einem Verlag suchen. Drei ganz andere Romane habe ich bei  Verlagen nicht unterbringen können. Allerdings habe ich auch nicht sehr intensiv nach Verlagen gesucht, sondern sie sie als eBooks bei Amazon veröffentlicht.

15. Wie organisieren Sie einen Schreibprozess? Wie lange brauchen Sie für ein Buch?

Das Schreiben eines Romans vergleiche ich gerne mit dem Bau eines Hauses.  Wenn man nur eine Vorstellung vom Schlafzimmer hat, sollte man noch keine Ziegel bestellen, denn man braucht einen Plan für das ganze Gebäude.

 

Wenn ich einen Roman schreibe, gehe ich dabei methodisch vor. Zuerst skizziere ich die Idee mit ein paar Sätzen und daraus entwickele ich ein Konzept, in der die Geschichte in Kurzform niedergelegt ist (etwa zwei bis drei Seiten). Erst dann treffe ich die Entscheidung, ob ich das Buch schreibe. 

Aus dem Konzept ergeben sich bereits Fragen, für deren Antworten ich recherchieren muss, entweder im Internet oder – was ich besonders liebe – bei Interviews, die ich mit Experten führe, sei es eine Sozialarbeiterin oder ein Uni-Professor, eine Apothekerin oder ein Pferdebesitzer

Im nächsten Schritt entwickele ich die Haupt-Charaktere und halte einige Merkmale fest, nicht nur Augen- und Haarfarbe, sondern z.B. ein sehr schlanker Mann, zwei Meter groß, spinnenartige Hände, markante Hakennase, durchdringender Blick, nicht sehr gepflegt, trägt immer einen grünen Mantel, nicht vertrauenswürdig, sucht ausschließlich den eigenen Vorteil, verrät Freund und Feind, wenn es ihm nützt usw. So stelle ich sicher, dass die Charaktere in sich stimmig sind. Die Charaktere bekommen Namen, die sie auch meist behalten, sofern ich keinen Grund sehe, einen Namen zu ändern. 

Sobald Konzept und Charakterbilder fertig sind (die Nebencharaktere tauchen immer überraschend auf, sie lerne ich erst später kennen), lege ich mir eine Excel-Tabelle an in der Kapitelnummer, Seite, Länge, Datum, Uhrzeit und Inhalt (Szene) festgehalten werden. Dann – endlich – schreibe ich den ersten Satz! Die Excel-Tabelle läuft während des gesamten Schreibprozesses mit, d.h. immer, wenn ich eine Szene geschrieben habe, nehme ich die entsprechenden Einträge in der Tabelle vor. Das ist wichtig, damit der chronologische Ablauf der Geschichte stimmt (jemand kann nicht um 13:00 Uhr in München und um 13:30 Uhr in Berlin sein). Aus den Einträgen kann ich z.B. auch ersehen, wer wann was getan, gesagt oder gehört hat, was bei Kriminalromanen oft wichtig ist und man erspart sich das lästige Suchen im Text.

Während nach und nach die einzelnen Kapitel entstehen, sind fast immer weitere Recherchearbeiten notwendig, denn manchmal gehen die Charaktere Wege, die ich nicht vorhergesehen habe. Auch tauchen plötzlich und unerwartet Gestalten auf, über die ich mehr wissen muss. Obwohl ich die ganze Geschichte bereits kenne, kommt es manchmal auch für mich zu überraschenden Wendungen, die sich einfach aus dem Schreibfluss und der Laune des Augenblicks ergeben. Deshalb ist das Schreiben auch für mich als Autor oft spannend.

 

Die benötigte Zeit für einen Roman ist neben dem Umfang hauptsächlich vom Rechercheaufwand abhängig. Für einen Kriminalroman mit 300 Manuskriptseiten benötige ich in der Regel etwa fünf Monate von der ersten Idee bis zur Druckfreigabe. Da der historische Roman „Der Diplomat“ auf der wahren Lebensgeschichte eines Mannes beruht, der sehr viel gereist ist und viele bedeutende Menschen getroffen hat, waren umfangreiche Recherchearbeiten notwendig. Für die 800 Manuskriptseiten habe ich deshalb zwei Jahre gebraucht, während die Liebeskomödie „Die Ziege im Anzug“ (ca. 230 Seiten) in nur sechs Wochen entstand.

16. Bei Ihrer ersten Buchveröffentlichung: Was haben Sie von der Buchveröffentlichung damals erwartet und was davon ist in Erfüllung gegangen?

Mein erster Roman „Sdaiv – Die Entführung der Fußball-Nationalmannschaft“ war ein Versuchsballon, weshalb ich ihn auch unter einem Pseudonym veröffentlicht habe. Ich hatte keine großen Erwartungen, war aber dennoch gespannt, wie Leser darauf reagieren, die ich nicht persönlich kenne. Auch wenn das Buch kein Bestseller geworden ist – so gut ist es wirklich nicht – waren die Reaktionen für mich Ansporn genug, weitere Bücher zu schreiben. Eine positive Rezension im Fußball-Magazin „11 Freunde“ hat mich damals ebenso gefreut wie die Bemerkung einer jungen Frau nach der Lektüre des Krimis: „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und du bist schuld daran!“. 

17. Haben Sie je Schreibworkshops besucht? Helfen diese tatsächlich weiter?

Nein, ich habe nie einen Schreibworkshop besucht. Vielleicht hätte ich manches, was ich mir langsam im Lauf der Zeit angeeignet habe, schneller gelernt; vielleicht wäre ich aber auch auf eine Schiene geraten, die wieder zu verlassen schwierig geworden wäre, weil in diesen Workshops vieles dem Mainstream untergeordnet wird und so die Entwicklung eines persönlichen Stils darunter leiden kann. Es gibt sicherlich eine Menge nützlicher Tipps, um (Anfänger-) Fehler zu vermeiden. Das Handwerkszeug,  d.h. die einwandfreie und sichere Beherrschung der Sprache, muss man sich aneignen. Das Talent zum Erzählen jedoch hat man - oder man hat es nicht und kein Workshop kann das jemals ersetzen.

18. Schreiben Sie lieber für Kinder und Jugendliche oder für Erwachsene?

Ich habe noch kein Kinderbuch geschrieben, doch mit „Luzifers Poesiealbum“ einen Jugendroman veröffentlicht, der sich mit Mobbing und Cyberbullying beschäftigt. Natürlich mache ich mir über die jeweilige Zielgruppe Gedanken, doch ich bevorzuge keine dieser Gruppen. Ein Krimi muss spannend sein, ein Gesellschaftsroman kritisch, ein historischer Roman authentisch, ein Science Fiction originell und ein Jugendroman zeitgemäß. Jedes Genre hat seinen eigenen Reiz und ich schreibe, wonach mir der Sinn steht. Eine Präferenz kann ich nicht angeben, aber ich schreibe am liebsten für die Leser, die sich von meinen Geschichten unterhalten lassen möchten. Wenn ich zuweilen höre, dass ein Leser eines meiner Bücher bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen konnte, bin ich meinem Traum vom Glück wieder ein Stückchen näher gekommen.


 

 

Einer der Romane von Ralf Kurz! Aber, wie gesagt, schaut doch mal auf der Website des Autroen vorbei. Der LInk bringt euch direkt dahin!