Michael Hasenpusch

 

Ich durfte mit Michael Hasenpusch das dritte Interview führen, das dieser je gemacht hat! Und er hat mir ganz besonders spannende Antworten gegeben... Überhaupt fand ich es toll, dass er, bevor wir auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Interview begonnen haben, er erst einmal etwas über mich wissen wollte! Hier findet ihr allerdings nur die Antworten, die er mir gegeben hat und erfahrt viel Hintergrundwissen bezüglich seines Romans "Damenprogramm - Nichts für schwache Männer". Kennt ihr den Roman schon? Wenn nicht, dann müsst ihr diesen unbedingt kennen lernen, ich garantiere euch lustige Lesestunden!

1. Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen? Was sind Ihre Hobbies und welche Gabe würden Sie gerne besitzen?


Ich fotografiere viel, weil ich als Jugendlicher unbedingt Reportage-Fotograf werden wollte. Als Fotograf hätte ich immer gerne die Gabe gehabt, wenigstens eine halbe Sekunde in die Zukunft sehen zu können. Denn wenn sich das perfekte Bild präsentiert, ist es fürs Fotografieren oft zu spät. Ansonsten koche ich sehr gerne für meine Frau mich – wovon auch in meinem Roman „Damenprogramm“ hin und wieder erzählt wird.



2. Ich habe „Damenprogramm“ letztes Wochenende erst gelesen und kann mich noch daran erinnern, dass ich meiner Familie unzählige Stellen laut vorgelesen habe, weil sie einfach so komisch waren! Geht das Ihnen auch manchmal so? Dass Sie auf einer Lesung einfach Lachen müssen?


Zunächst einmal freut es mich, dass Sie sich beim Lesen gut unterhalten haben. Eine Lesung habe ich noch nicht bestritten, mein Buch ist ja einige Woche vor diesem Interview erschienen. Ich musste aber beim Schreiben selber auch immer wieder mal kichern und hin und wieder sogar laut lachen, wenn sich meine Romanfiguren mal wieder besonders seltsam verhalten haben.



3. Sie haben Ihren Roman mit Sicherheit sehr überspitzt erzählt! Aber vieles haben Sie wirklich so in Afrika empfunden, oder?


Das „Damenprogramm“ ist aus dem Blog entstanden, den ich führe, seitdem ich in Afrika lebe, also seit 2008. Den Blog habe ich damals begonnen, einerseits um die Sorgen meiner Familie und meiner Freunde zu zerstreuen und andererseits auch ein bisschen als Eigentherapie. Deshalb habe ich meinen Erlebnissen von Anfang an eine heitere Erzählform gegeben. Ich habe fast alles, was im Buch steht, auch erlebt. Da es sich um einen Roman handelt, habe ich mir die Freiheit genommen, die Reihenfolge hin und wieder zu verändern und manches zu dramatisieren.



4. Woher kam die Inspiration zu dem Roman?


Die Inspiration zu dem Roman ist ganz klar mein eigenes Leben in Ghana und Kenia. 



5. Ich finde das Cover sehr gelungen! Hatten Sie bei der Auswahl ein großes Mitspracherecht?


Die Flamingos waren die Idee des Verlages, und ich fand sie vom ersten Augenblick an toll und sehr passend. Dann kamen mir Zweifel, ob rosa und blau nicht doch sehr babyhaft wirken würden, und die armen Leute vom Verlag haben dann nur für mich alle möglichen Farbkombinationen ausprobiert. Am Ende musste ich zugeben, dass die erste, also die in Blau-Rosa, die beste war. Ich schäme mich immer noch ein kleines bisschen.



6. Was hat Ihre Frau zu dem Roman gesagt? Hat sie sich gefreut?


Sie hat sich sehr für mich gefreut, weil sie wusste, dass für mich die Zeit im Damenprogramm, also im echten Leben, nicht immer ganz einfach war. Schließlich hatte ich meinen Job für sie aufgegeben und mich dafür mit dem Alltag in Ghana und Kenia herumgeschlagen. Vor der Veröffentlichung hat mich nur noch einmal darum gebeten, sie im Buch wirklich zu anonymisieren. Tatsächlich habe ich ihr das Buch als Rohentwurf zu Lesen gegeben, um sicher zu stellen, dass mir kein Fehler unterlaufen ist. 



7. Welches Genre lesen Sie privat?


Ich lese sehr gerne Sachbücher zu Geschichte, Politik, hin und wieder auch zu technischen Themen,  Aber sonst auch gerne Kinder- und Jugendbuchliteratur! Das tue ich seitdem ich während eines Studienjahres in den USA festgestellt hatte, wie unterirdisch schlecht mein Englisch war. Die ersten sprachlichen Erfolgserlebnisse hatte ich mit Büchern, die wahrscheinlich gar nicht für mich gedacht waren.



8. Haben Sie einen Lesetipp für uns?


Das ist schwer. Ich habe so viele Bücher in meinem Leben gut und noch mehr schlecht gefunden. Mir scheint auch, dass je älter ich werde, desto leichtere Bücher suche ich mir zum Lesen aus. Etwa nach dem Motto: Früher Dostojewski, heute Harry Potter. Spontan fällt mir ein „His Dark Materials“, eine Trilogie von Phillip Pullman, eine Trilogie, die ich wirklich mochte. Vielleicht noch die älteren Werke von Haruki Murakami, zum Beispiel „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt“ oder auch „Mister Aufziehvogel“. 



9. Würden Sie wieder mit Ihrer Frau auswandern?


Aber ja. Immer wieder.



10. Haben Sie bestimmte Rituale beim Schreiben? Tee trinken oder Radio hören?


Eigentlich nicht, außer einem strengen Tagesablauf. Ich hatte mich während des Schreibens aus Nairobi in eine kleine Lodge in der Nähe vom Mount Kenya zurückgezogen. Dort gab es kein Fernsehen, kein Internet und kaum Telefonnetz. In dieser Abgeschiedenheit habe ich sehr diszipliniert geschrieben, was ich in Nairobi nie durchgehalten hätte: Spaziergang bei Sonnenaufgang, Schreiben, Frühstück, Schreiben, Mittagessen auslassen, Schreiben, Kaffeetrinken, Schreiben, Runde auf dem Mountainbike in der Abenddämmerung, Abendessen, schließlich Lesen und Redigieren dessen was ich tagsüber geschrieben habe.



11. Was bedeutet die Frankfurter Buchmesse für Sie?


Sehr aufregend. Es war meine erste Messe, die ich als Autor besucht habe und Interviews gegeben habe, wie dieses hier zum Beispiel. Die Buchmesse war für mich sehr wichtig als ein Ort, an dem ich mich als Autor und mein Buch zukünftigen Lesern und den Medien vorstellen konnte.



12. Haben Sie einen Lieblingsort zum Schreiben?


Die Lodge in der Nähe des Mount Kenya.



13. Was macht für Sie den Beruf eines Autoren aus?


Das finde ich gerade erst heraus. In etwa aber so: Man sollte etwas zu erzählen haben, an seine Geschichten und sich selbst glauben, aber auch Einflüsse von außen, zum Beispiel von Literaturagenten und Lektoren, aber auch von Familie und Freunden nicht ignorieren, sondern professional abwägen. Kurzum: Stur sein, durchhalten, komme, was da wolle, aber dabei offen für die Ideen anderer bleiben.



14. Sind Sie prinzipiell gerne auf Lesungen?


Als Zuhörer ja, als Autor weiß ich das noch nicht.



15. War es schwer für Sie, einen geeigneten Verlag zur Veröffentlichung des Romans zu finden?


Eigentlich nicht. Im vierten Jahr meines Blogs meldete sich eine Literaturagentin aus Berlin bei mir. Sie sagte, ihr gefiele, was ich schreibe, und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, daraus ein Buch zu machen. Dann haben wir ein Exposé entwickelt, es Verlagen geschickt und DroemerKnaur hat sich dafür entschieden.



16. Wie haben Sie eigentlich die afrikanische Sprache gelernt? Davon wird in dem Buch nichts berichtet.....


Die „eine“ afrikanische Sprache gibt es nicht, das ist etwas komplizierter. Einerseits leben in vielen afrikanischen Ländern Menschen, die verschiedenen Stämmen angehören. In Kenia sind das über 40 mit ebenso vielen verschiedenen Sprachen. Andererseits sind meisten heutigen afrikanischen Staaten kolonisiert worden, von England, Frankreich, Portugal oder auch von Deutschland und haben in den meisten Fällen die Sprache der Kolonisatoren behalten. Ghana und Kenia waren englische Kolonien, deshalb ist dort Amtssprache nun Englisch. In Kenia hat sich allerdings durch verschiedene Einflüsse über die vergangenen Jahrhunderte eine neue Sprache entwickelt, das Kisuaheli, das heute von den meisten Kenianern gesprochen wird. So sprechen alle Kenianer im Prinzip mindestens drei Sprachen: ihre Stammessprache - also zum Beispiel Kikuyu - das Kisuaheli und Englisch. Ich selbst spreche Englisch, Französisch und ein bisschen Kisuaheli.



17. Sind Sie froh, wieder in Deutschland zu sein? Das Leben hier sieht man nach derartigen Erfahrungen ganz anders, oder?


Noch sind wir nicht zurückgekehrt. Meine Frau und ich werden noch einige Jahre in Kenia bleiben. Es gibt vieles, was wir an Deutschland vermissen, aber wir wissen schon jetzt, dass wir eines Tages mindestens genau so viel an Kenia und Ghana vermissen werden.



18. Wie kamen Sie zum Schreiben?


Ich habe schon als Teenager in der Lokalpresse mitgearbeitet, war während des Studiums freier Mitarbeiter in der dortigen Tageszeitung, habe nach dem Studium ein Zeitungsvolontariat gemacht, war danach viele Jahre Journalist – und betreibe seit sechs Jahren ein Blog. Auf die eine oder andere Art habe ich immer geschrieben.



19. Hatten Sie ein besonderes Erlebnis als Autor? Welches war das?


Dass die Figuren in meinem Roman ein Eigenleben entwickelt und sich verselbständigt haben. 



20. Wie lange haben Sie an „Damenprogramm“ geschrieben?


Ein paar Monate.



21. Schreiben Sie lieber für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene? Warum?


Ich habe beim Schreiben an keine spezielle Leserschaft gedacht. Gleichwohl würde mich freuen, wenn Kinder, Jugendliche und Erwachsene Spaß an meinem Buch haben.




Vielen Dank für Ihre Antworten!