Katrin Koppold

"Aussicht auf Sternschnuppen" und "Zeit für Eisblumen". Ich darf Katrin Koppold hier einige Fragen stellen

1. Seit wann schreiben Sie?

Ich habe schon relativ bald, nachdem ich das Schreiben gelernt habe, damit angefangen, mir kleine Geschichten auszudenken. Richtig losgelegt habe ich aber erst nach der Geburt meines Sohnes vor sechs Jahren. Erst habe ich mich an einem Krimi versucht, dann aber relativ bald gemerkt, dass mir gefühlvolle, lustige Stoffe einfach besser liegen. 

2. Können Sie mir zehn Worte geben, die die Handlung von "Aussicht auf Sternschnuppen" beschreiben?

Oh je … darum wurde ich tatsächlich noch nie gebeten. Ich schreibe jetzt einfach mal alles in der Reihenfolge auf, wie es mir in den Kopf schießt: lustig, romantisch, Toskana, heißer Schauspieler, verklemmte Emanze, Smart, Sternschnuppenhimmel, verpasste Chancen, berührend, Happy End.

3. Können Sie im Urlaub genauso gut schreiben wie Zuhause?

Ja, sogar noch besser, denn dann habe ich Zeit und den Kopf frei. Mir tut es immer ein bisschen leid, wenn ich den Laptop im Familienurlaub daheim lasse. Denn eigentlich würde ich am liebsten jeden Tag (zumindest ein bisschen) schreiben. Und ich glaube, genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Brotberuf und einem Beruf, für den man brennt, den man mit voller Leidenschaft ausübt. Wer ist schon traurig, wenn er mal nicht arbeiten darf?!

4. Haben Sie beim Schreiben bestimmte Rituale, wie zum Beispiel Tee trinken oder eine bestimmte Hintergrundmusik hören?

Nein, überhaupt nicht. Obwohl ich finde, dass würde mich als Schriftstellerin viel glamouröser erscheinen lassen. Aber da ich momentan noch arbeite, zwei Kinder, einen Mann, ein Haus, einen Garten und zwei Katzen habe, schreibe ich meist dann, wenn ich mal ein bisschen Zeit abzwacken kann, und nicht wenn mich die Muse küsst. Die muss bei mir ganz schön oft warten. 

5. Was macht für Sie der Beruf eines Autors aus

Viele glauben, dass das Schreiben eines Buches ein rein kreativer Prozess ist. Aber das stimmt nicht. Schreiben ist vor allem Handwerk, das ich in einem zweijährigen Studium und in Schreibkursen gelernt habe (und meine Lehrzeit ist noch lange nicht vorüber). Dann erfordert das Schreiben Durchhaltevermögen. Vielleicht ist das bei einigen Autoren anders, aber bei mir dauert es richtig, richtig lange, bis ich nicht mehr um jedes Wort ringen muss, sondern eine Art Flow einsetzt. Es ist unglaublich ermüdend und frustrierend, zu schreiben, wenn man genau weiß, dass das man nur Mist zu Papier bringt. Ich schreibe aber trotzdem stur immer weiter, denn mit dem, was erst einmal auf dem Papier steht, kann ich später arbeiten.

6. Was macht diesen Beruf aus Ihrer Sicht zum allerbesten Beruf?

Ich mag es, Welten zu erschaffen, in denen ich mich als Autor selbst gerne aufhalte. Bei mir dauert es immer ein bisschen, bis ich ein Gefühl für meine Figuren und die Handlung entwickelt habe, aber wenn ich in einer Geschichte erst einmal drin bin, ist es tatsächlich so, als würde ich vieles, was die Hauptperson erlebt, auch selbst erleben. Das ist wohl auch ein Grund, warum ich so gerne Liebesromane schreibe. Das Gefühl, mich mit meinen Hauptdarstellerinnen neu zu verlieben, ist einfach immer wieder aufs Neue toll. Und die männlichen Hauptfiguren schreibe ich mir ja schon immer so zurecht, dass sie meinen Idealvorstellungen entsprechen.

 

Ich habe mich vor einem Jahr einmal mit Rita Falk unterhalten, der berühmten Regionalkrimi-Autorin, und die meinte: „In der Zeit, in der ich an einem Eberhofer-Krimi schreibe, bin ich der Franz.“ Da ich kleine Kinder und noch einen anderen Beruf habe, ist es für mich in dieser Absolutheit natürlich nicht möglich, aber generell würde ich schon sagen, dass ich zumindest in den Stunden, in denen ich arbeite, tatsächlich in die Hauptfigur eintauche. Deshalb ist mir mein neuer Roman „Sehnsucht nach Zimtsternen“, der im Mai erscheinen wird, auch die ersten Wochen so schwer gefallen. Zu Lilly, der Hauptfigur, habe ich einfach keinen Zugang gefunden. Zum Glück hat sich das aber irgendwann komplett geändert. Ich glaube nämlich, dass du es nur dann schaffst, Leser zu berühren, wenn du selbst von deinen Figuren, deiner Geschichte berührt wirst. 

7. Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?

Nein. Eigentlich nie. Mein Talent zum Schreiben war immer etwas, was ich als selbstverständlich angesehen habe. Ich wollte viel lieber malen, photographieren, Möbel/Klamotten designen und damit mein Geld verdienen. Gut, dass ich es nicht gemacht habe. Sonst müsste ich jetzt wahrscheinlich verhungern. So gut, wie ich es als Jugendlicher gedacht habe, bin ich darin nämlich nicht. 

8. Welches Genre lesen Sie am Liebsten?

Ich lese am liebsten Krimis, Jugendbücher und Liebesromane. Was ich nicht so mag, sind historische Stoffe und Science Fiction. 

9. Finden Sie viel Inspiration zu Ihren Büchern in Familienmitgliedern?

In meinen männlichen Hauptfiguren steckt jedes Mal ein bisschen was von meinem Mann drin. Er selbst findet das total komisch, weil die ja alle relativ unterschiedlich sind, aber ich ziehe mir immer unterschiedliche Eigenschaften, Charakterzüge raus. Zum Beispiel hat er, als wir uns kennen gelernt haben, total viel geraucht, was mich – vor allem im Winter, wenn ich fröstelnd im Auto saß und er trotzdem das Fenster runterdrehte, nur um seiner Sucht nachzugehen – echt richtig genervt hat. In dieser Hinsicht musste ich also in „Aussicht auf Sternschnuppen“ gar nicht so viel erfinden. Überhaupt stelle ich immer wieder fest, dass ich nicht besonders kreativ bin. Vieles, was in meinen Romanen steht, habe ich selbst erlebt oder erzählt bekommen. 

10. Verraten Sie uns Ihr Lieblingsbuch?

Das EINE Lieblingsbuch habe ich gar nicht. Ich kann aber aufzählen, welche Bücher mich in der letzten Zeit ganz besonders fasziniert haben und das waren „Rachel im Wunderland“ von Marian Keyes, „Der Joker“ von Markus Zusak, „Meisterwerk“ von Frank Cottrell Boyce, „Hannes“ von Rita Falk, „Kaputte Suppe“ von Jenny Valentine, "Ein ganzes halbes Jahr@ von Jojo Moyes und „So unselig schön“ von Inge Löhnig. Alles komplett unterschiedliche Romane, aber alle haben mich auf ihre Weise unheimlich beeindruckt.

11. Gibt es ein Buch, bei dem Sie besonders lange gebraucht haben, es zu verfassen?

„Zeit für Eisblumen“ – mein zweiter Roman. Das Thema ist recht anspruchsvoll, aber ich wollte trotzdem nicht, dass der Stoff trostlos und deprimierend rüberkommt. Ich wollte ihm aber trotzdem irgendwie auch gerecht werden und nichts verharmlosen. Außerdem ist Fees Geschichte sehr persönlich, was beim Schreiben auch nicht immer leicht war. An diesem Buch habe ich tatsächlich – mit ein paar Pausen – fast anderthalb Jahre geschrieben.

12. Lesen Sie ab und zu die von Ihnen verfassten Bücher nach deren Veröffentlichung

Ich lese manchmal Textstellen, die mir besonders ans Herz gewachsen sind, noch einmal durch. Und ich nehme sie mir in Phasen zur Hand, in denen ich mit mir hadere und denke, dass der nächste Roman nie im Leben so gut wie die anderen wird. Dass ich ihn im schlimmsten Fall überhaupt nicht fertig schreiben werde. Aber meine vorherigen Bücher zeigen mir ja zum Glück, dass ich es letztendlich immer geschafft habe, ein vorzeigbares Ergebnis zustande zu bringen. Am leichtesten ist mir noch „Aussicht auf Sternschnuppen“ aus der Feder geflossen. Wahrscheinlich weil ich diese Geschichte nur für mich und ohne jeden Erwartungsdruck geschrieben habe. 

13. Genießen Sie es, auf Lesungen zu sein?

Ja, das ist toll. Lesungen sind für mich immer ein ganz besonderes Erlebnis. Der direkte Kontakt zu Lesern, zu merken, dass das, was ich geschrieben habe, gut ankommt, für Lacher sorgt, aber auch berührt, ist einfach toll. 

14. Wie stolz sind Sie, wenn Sie das erste Mal nach der Veröffentlichung eines Buches in einen Buchhandel gehen und dort Ihr Werk sehen?

Komischerweise war ich nie so stolz, wie ich es vorher gedacht habe. Mich macht es glücklich, dass Wort ENDE unter einen Roman zu setzen, erste positive Reaktionen zu bekommen, aber die Auslage der Buchhandlungen ist tatsächlich etwas, was mir persönlich jetzt nicht so viel bedeutet. 

15. Sie bevorzugen es, Einzelbände zu schreiben, oder? Warum?

Genau genommen schreibe ich ja auch eine Reihe, aber eine, in der jede Geschichte für sich abgeschlossen ist. Ich bin selbst jetzt nicht soooo der Reihen-Fan. Bis der nächste Band herauskommt, habe ich nämlich ganz oft vergessen, was in dem vorherigen Band genau passiert ist. Deshalb warte ich jetzt bei Reihen meist ab, bis alle Bände erschienen sind und lese sie dann hintereinander.

16. Wie viele Bände waren am Anfang geplant? Und wie viele sind jetzt geplant?

Am Anfang war „Aussicht auf Sternschnuppen“ als Einzelband geplant, erst im Laufe des Schreibens habe ich gemerkt, dass ich die Familie, die ich erschaffen habe, einfach noch nicht verlassen will und dass mir alle vier Schwestern ans Herz gewachsen sind. Aber mehr wie vier Bände wird es von dieser Reihe definitiv nicht geben. Momentan schreibe ich am letzten Band, an „Hoffnung auf Kirschblüten“, der Mia, die Hauptfigur, nach Paris führen wird. Und danach muss ich endgültig Abschied nehmen. Das wird mir bestimmt nicht leicht fallen. Aber letztendlich möchte ich mich als Schriftstellerin ja auch weiterentwickeln und nicht nur auf ausgetretenen Wegen herumwandern. 

17. Woher kommen die Namen der Protagonisten?

Ich hatte bei „Aussicht auf Sternschnuppen“ immer eine Familie im Kopf, die dem ersten Kind (es waren lauter Jungs) einen total altmodischen Namen gegeben habe, Erwin oder so etwas, und die Nachfolger hießen Luca, Finn und Joschua. Ich fand das unglaublich unfair, aber auch sehr lustig. Und genauso eine Szene hat mir in dem Roman vorgeschwebt. Den Namen Helga habe ich gewählt, weil ich zu dieser Zeit eine superhübsche Kollegin hatte, die so hieß. Lange Zeit ist sie mir gar nicht aufgefallen, weil sie sich eher unauffällig und gedeckt angezogen hat und sich auch sonst nie in den Vordergrund drängte. Und genauso wie sie habe ich mir immer meine Helga Baum vorgestellt. Die anderen Namen, Lilly, Mia und Felicitas, gefallen mir persönlich einfach gut. Außerdem haben sie alle eine schöne Bedeutung, der zum Charakter der jeweiligen Figur passt. 

Und noch eine letzte Frage:

18. Schreiben Sie gerade an einem Buch? Wollen Sie uns verraten, worum es gehen soll?

Ich fange gerade mit „Kirschblüten im Winter“ an, Mias Geschichte. Mia macht sich darin auf nach Paris, um das Liebesschloss, das sie zusammen mit ihrem Freund Ric an einer Brücke befestigt hat, mit einem Bolzenschneider zu durchtrennen, um endlich von ihm loszukommen.

 

Ich selbst bin gerade aus Paris zurückgekommen und noch so voller Eindrücke, dass ich es gar nicht erwarten kann, sie alle zu Papier zu bringen. 

Vielen Dank für Ihre Antworten!

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