Gunnar Kunz

 

Heute beantwortet mir der AUtor Gunnar Kunz meine Fragen und seine Antworten sind sehr spannend! So wusste ich zum Beispiel nicht, dass er mal in Schottland gewohnt hat (wer mich kennt, weiß, warm mir Schottland so sehr am Herzen liegt. Für die anderen: Ich liebe Schottland!) Hätte ich das vor dem Interview gewusst, hätte ich auch noch eine Frage dazu stellen können, ob Gunnar Kunz für die Unabhängigkeit plädiert... ;) 

Aber hier spricht er auch über die Namen seiner Romanfiguren. Ob in seiner Nameskartei wohl auch der Name Theresa steht?!

 

1. Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gern besäßen?

Ich wohne seit 1987 in Berlin (unterbrochen von einem etwa zweijährigen Auslandsaufenthalt in Schottland) und habe 14 Jahre lang am Theater gearbeitet, überwiegend als Regieassistent. Seit über 15 Jahren lebe ich vom Schreiben (Romane, Theaterstücke, Musicals, Hörspiele, Liedertexte). 

Hobbys? Lesen. Musik hören. Comics. Wandern. Freunde treffen. Tanzen. 

Was den Traum anbelangt – einen Bestseller zu schreiben, wäre zwar schön, muss aber nicht sein. Zumindest hätte ich allerdings gern eine Fanbase, die ausreicht, um mich unabhängig zu machen, sodass ich nicht für jedes neue Buch wieder auf mühselige Verlagssuche gehen muss. Vor allem wünsche ich mir einen Verlag für meine Erwachsenen-Fantasybücher, die noch in der Schublade liegen und mir besonders am Herzen liegen.

2. Wie kamen Sie zum Schreiben?

Ich war immer eine Leseratte und habe schon als Kind Bücher verschlungen. Mit zehn beschloss ich dann: Das will ich auch machen. Geschichten schreiben, was für ein toller Beruf! Dieses Ziel habe ich seither mit großer Hartnäckigkeit verfolgt und nie aus den Augen verloren, auch nicht bei meinen Schlenkern zum Theater.

3. Wie finden Sie Ihre Themen und Namen der Charaktere?

Die Themen finde ich überall. Genauer gesagt: Sie kommen zu mir, ich muss nicht danach suchen. In meinem Kopf befinden sich noch zahllose Geschichten, die erzählt werden wollen ...

Namen finde ich sehr wichtig und verwende daher viel Zeit darauf, den richtigen für eine Figur auszuwählen. Im Laufe der Jahre habe ich eine Namensdatei angelegt (die immer mal wieder ergänzt wird) mit Namen, die ich aus irgendeinem Grund interessant (oder auch alltäglich) finde. 

4. Was lesen Sie selber gerne?

Ich bin ein Vielleser und lese alles querbeet: Genreliteratur, Mainstream, Sachbücher, Kinderbücher, Jugendbücher. Manchmal mehrere Romane parallel. Aber im Gegensatz zu früher lese ich ein Buch, das mir nicht gefällt, heute nicht mehr zu Ende, dafür ist das Leben zu kurz.

5. Wer sind Ihre Lieblingsautoren?

Kann ich nicht sagen.

6. Wer ist Ihr liebster Romanheld?

Kann ich nicht sagen.

7. Hatten Sie ein besonderes Erlebnis als Autor? Welches war das?

Das Autorenleben ist wunderschön, aber furchtbar unspektakulär, daher: nein, tut mir leid.

8. Können Sie uns einen Lesetipp geben?

Ich lese gerade mit Begeisterung George R. R. Martins „Lied von Eis und Feuer“ (die Verfilmung, „Game of Thrones“, habe ich übrigens nie gesehen). Bin bei Band 6. Außerdem entdecke ich gerade einen Schriftsteller neu, der mich als Jugendlicher und junger Erwachsener sehr beeindruckt hat: Theodore Sturgeon. Auf meinem Blog kann man einen Artikel von mir über ihn lesen: 

http://pfuetzenfische.blogspot.de/2014/08/theodore-sturgeon.html#more

9. Was ist Ihr nächstes Projekt?

Zurzeit schreibe ich am 5. Band meiner Krimiserie aus der Weimarer Republik. Er wird 1926 im Theatermilieu spielen, dort kann ich dann meine langjährige Theatererfahrung einfließen lassen. Die Recherche ist wie immer zeitraubend, aber auch interessant. Ein Titel steht noch nicht fest. Ich nehme an, das Buch wird im Sommer oder Herbst nächsten Jahres erscheinen.

10. Haben Sie sich schon einmal gewünscht, im Nachhinein etwas an Ihren Büchern ändern zu können?

Nur Kleinigkeiten: Eine unschöne Wortwiederholung, einen ungenauen Ausdruck, einen Recherchefehler – solche Dinge. Obwohl ich meine Texte wieder und wieder überarbeite, werde auch ich natürlich irgendwann betriebsblind, und dann ärgere ich mich hinterher über mich selbst, wenn ich das fertige Buch in Händen halte und in der Regel auf Anhieb irgendeinen dummen Fehler entdecke, der mir durch die Lappen gegangen ist. Grundsätzlich aber möchte ich nie etwas ändern, dazu ist meine Vorarbeit einfach zu gründlich. Ich mache mir wochen-, manchmal monatelang Gedanken über das Konzept, die Figuren, die Handlung, und fange erst an zu schreiben, wenn alles für mich stimmig ist.

11. Mit welchem Ihrer Charaktere würden Sie gerne einmal einen Tag verbringen? Was würden Sie zusammen unternehmen?

Schwierige Frage. Vielleicht mit Krümel aus meinem Kinderbuch „Schnatzelschnapf! oder: Wie kommt die Welt in meinen Kopf?“ Von ihm würde ich mir gern die Welt erklären lassen. :-)

12. Schreiben Sie auch sonst gerne Artikel für Magazine? Worin liegen Ihrer Meinung nach die Unterschiede, wenn es um kleine Artikel geht und wenn man ein Buch schreibt?

Für Magazine nicht, aber jede Woche schreibe ich einen Artikel für mein Blog. Dabei handelt es sich natürlich mehr um Plaudereien als um echte Geschichten. Eher wäre die Frage nach dem Unterschied zwischen Roman und Kurzgeschichte interessant. Ich bin ja ein großer Fan von Kurzgeschichten und bedauere, dass es (abgesehen von oft uninteressanten Anthologien) kaum noch welche gibt. Sowohl die Schwierigkeit als auch das Vergnügen liegen bei einem Roman in seiner Komplexität, bei einer Kurzgeschichte darin, etwas kurz und knapp auf den Punkt zu bringen.

13. Was fällt Ihnen am Entstehungsprozess eines Buches sehr leicht, was schwer? Vielleicht gibt es auch etwas, was Sie total super oder total fürchterlich finden?

Alles hat seinen Reiz und seine Schwierigkeit. Ich gehöre, wie gesagt, zu den Autoren, die viel von einer gründlichen Vorarbeit halten, überarbeite allerdings auch gern, weil die Dinge dadurch immer schärfer, klarer, persönlicher werden. Früher fand ich die Exposition oft schwierig, heute gehört das zu meinen liebsten Phasen. Insbesondere mag ich gute erste Sätze, die auf originelle Weise etwas erzählen und die Leser in die Geschichte hineinziehen. Ich liebe beispielsweise den Anfang meines Fantasy-Jugendbuchs „Lagunenrauner“: „Eine Handbreit pro Jahr, das scheint auf den ersten Blick nicht viel.“ Man weiß nicht, worum es geht, aber es liegt ein Geheimnis in der Luft, eine Art von Magie, finde ich.

14. Wie leicht oder schwer ist es für Sie, Ihre Buchidee jeweils bei einem Verlag unterzubringen?

Im Gegensatz zu vielen Kollegen trete ich nie mit Ideen an Verlage heran, sondern mit fertigen Büchern. Ich schreibe, was mir auf der Seele brennt, und möchte nicht, dass mir irgendjemand nach Marktgesichtspunkten hineinredet. Dafür zahle ich natürlich den Preis, dass ich mich anschließend abstrampeln muss, um einen Verlag vom fertigen Werk zu überzeugen. Leider wird das mit den Jahren nicht leichter, obwohl ich schon so viel veröffentlicht habe. Einzige Ausnahme: meine Krimis. Da es sich hierbei um eine Serie handelt, muss ich dafür natürlich keinen neuen Verlag suchen. Ansonsten dauert es oft Jahre. Und einige Werke, darunter auch wirkliche Herzensprojekte, liegen immer noch in meiner Schublade.

15. Wie organisieren Sie einen Schreibprozess? Wie lange brauchen Sie für ein Buch?

Ich halte Regelmäßigkeit für wichtig, damit man das Buch, an dem man schreibt, täglich im Kopf bewegt und mit seinen Figuren lebt. Deshalb habe ich eine 7-Tage-Woche. Und einen geregelten Tagesablauf: Nach der Dusche gleich an den Computer. Ohne Frühstück. Vormittags ist die eigentlich kreative und deshalb für mich heilige Zeit. Irgendwann Arbeitspause, etwas essen. Weiter schreiben. Zwischendurch Spaziergänge, um über das eine oder andere Problem im Skript zu grübeln. Nachmittags dann Telefonate, Lesungen organisieren etc., und Recherche in den Bibliotheken und im Internet. Abends lese ich, was ich mir für meine Recherche ausgeliehen habe. 

Der Umfang der Recherche spielt natürlich eine Rolle bei der Frage, wie lange ich für ein Buch brauche. Zwischen einem halben und anderthalb Jahren, als Faustregel gilt: ein Jahr pro Roman.

16. Bei Ihrer ersten Buchveröffentlichung: Was haben Sie von der Buchveröffentlichung damals erwartet und was davon ist in Erfüllung gegangen?

Wie wohl jeder Autor bin ich ziemlich blauäugig gewesen und habe gedacht, sobald das erste Buch draußen ist, geschieht alles von allein. Leider konzentrieren sich die meisten Verlage nur auf ihre Bestsellerautoren und tun für die anderen nur noch wenig, außerdem dreht sich das Karussell immer schneller, wer sich nicht auf Anhieb gut verkauft, verschwindet oft bereits im zweiten Jahr aus der Backlist. Man braucht einen langen Atem in diesem Beruf. Einen sehr langen Atem.

17. Haben Sie je Schreibworkshops besucht? Helfen diese tatsächlich weiter?

Nein, habe ich nie. Solche Workshops sind sicher – je nachdem, wer da unterrichtet – eine sinnvolle Sache, allerdings sollte man auch nicht zuviel davon erwarten. Handwerk kann man lernen, Tipps und Tricks sind nützlich, vielleicht erhält man in solchen Kursen auch eine realistische Einschätzung der Buchbranche. Aber ohne Talent kann daraus bestenfalls Dutzendware entstehen, und Talent kann man meiner Meinung nach nicht lernen. Außerdem gehört zum Autorendasein die bedingungslose Hingabe an den Beruf und dass man für seine Geschichten brennt. 24 Stunden am Tag, nicht zweimal die Woche im Abendkurs.

18. Schreiben Sie lieber für Kinder und Jugendliche oder für Erwachsene?

Zoran Drvenkar hat neulich in einem Interview geschrieben, dass er sich darüber kaum Gedanken macht, sondern einfach seinen Figuren folgt. Das geht mir ähnlich. Ich setze mich nicht hin und sage: So, dieser Stoff wird jetzt was für 12 – 16jährige. Klar, für Kinder braucht man einen anderen Tonfall als für Erwachsene, ansonsten bestimmen das Thema, die Stimmung und die Figuren, wohin die Reise geht.

Im Übrigen gefällt mir die Abwechslung. Wenn ich einen Krimi geschrieben habe, fange ich nicht gleich den nächsten an, sondern möchte vielleicht ein Märchen schreiben oder eine Fantasygeschichte, schon um nicht Fließbandarbeit zu betreiben, sondern immer wieder aufs Neue neugierig zu sein auf das, was mich erwartet. 

Vielen Dank für Ihre Antworten!

 

Ich war mir ziemlich unsicher, welches Buch ich hier abbilden soll, aber "Lagunenrauner" sieht toll aus und hört aich auch wirklich spannend an! Schaut doch einfach mal auf der Website von Gunnar Kunz (mit einem Klick auf das Cover) vorbei. Dort findet ihr auch viele andere Bücher und könnt unter anderen auch "Lagunenrauner" direkt bestellen!