Elke Pistor

Foto: Barbara Hentschel
Foto: Barbara Hentschel

 

 

Elke Pistor hat mir gleich sehr lieb geantwortet, wie gerne sie mir meine Fragen beantwortet, auch ihre Tochter ist eine große Leseratte. Die Autorin erzählt hier, wie sie zum Schreiben gekommen ist und das ist wirklich die beste Erklärung, die ich je von einer Auorin bekommen habe. Und sie spricht über "Hach-Bücher", ihren Lieblingsromanhelden und wie der Brief eines Verlages nicht nur ihren 43. Geburtstag veränderte.... Aber lest selbst!

1. Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?

Ein wenig über mich? Ich lebe und arbeite in Köln, bin verheiratet, habe zwei Kinder und drei Katzen. Schreiben ist mein Beruf, Lesen mein Hobby. Ärgern lasse ich mich eher selten, oder versuche es zumindest. Das alles kommt schon ziemlich nah an den Traum vom großen Glück heran. Was ich gerne können würde? Richtig gut singen.

2. Wie kamen Sie zum Schreiben?

Zu meinem 40. Geburtstag wollte ich mir selbst etwas Besonderes gönnen und landete in einem Kurz für kreatives Schreiben. Das war vor sieben Jahren. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, wo das hinführen würde, hätte ich ihm ehrlich gesagt, nicht geglaubt.

3. Wie finden Sie Ihre Themen und Namen der Charaktere?

Die politischen, sozialen oder psychologischen Themen meiner Bücher sind immer auch die, die mich selbst interessieren. Themen, die in der Luft liegen. Dann wühle ich mich in die Tiefe und schaue, was ich daraus für meine Bücher mitnehmen kann. Die Namen der Charaktere suche ich teilweise bewußt aus. Ich  lese aber auch gerne Todesanzeigen auf der Suche nach Ungewöhnlichem, oder lasse meine Leser schon einmal einen Namen aussuchen.

4. Was lesen Sie selber gerne?

Krimis, Krimis, Krimis und Zeit gerade Bücher, die ich  für mich selbst gerne "Hach-Bücher" nenne. Das sind die, die man mit einem leisen "Hach" zur Seite legt, wenn sie zu Ende sind, weil sie einen so berührt haben.

5. Wer sind Ihre Lieblingsautoren

Schwierig. Das wechselt. Immer die, die mich mit ihrer Sprache mitreißen, die es schaffen, dass ich die professionelle Schreiberin in mir vergesse und nur noch Leserin sein lassen.

6. Wer ist Ihr liebster Romanheld?

Auch schwierig, auch wechselnd. Zuletzt habe ich (wieder mal) Hans Fallada "Ein Mann will nach oben" gelesen und war (wieder) begeistert von den Figuren und dem Handlungsaufbau.

7. Hatten Sie ein besonderes Erlebnis als Autor/Autorin? Welches war das?

Die Verlagszusage zu meinem ersten Buch "Gemünder Blut" bekam ich auf meinem 43. Geburtstag. Das war ein sehr schönes Geschenk, da in der Tat mein Leben verändert hat.

8. Können Sie uns einen Lesetipp geben?

Unbedingt gelesen haben sollte man die beiden Bücher der diesjährigen Glauser-Preisträger: Judtih Taschler "Die Deutschlehrerin" und Harals Gilbers "Germania". Zwei wirklich herausragende Romane.

9. Was ist Ihr nächstes Projekt?

Auf meiner Projektliste steht ganz aktuell der zweite Band der Krimireihe um Verena Irlenbusch, der nächstes Jahr bei Ullstein erscheinen wird. Dann möchte meine Eifelkommissarin Ina Weinz gerne ihren 5. Fall lösen und ich arbeite an einem unterhaltsamen Sachbuch über Katzen. Die Arbeit geht mir also zum Glück nicht aus.

10. Haben Sie sich schon einmal gewünscht, im Nachhinein etwas an Ihren Bücher ändern zu können?

Nein. Ich  schreibe jedes Buch so, wie es in diesem Moment am besten kann. Wenn mir später etwas auffällt, nehme ich es als Anregung und "Lehre" mit in das nächste Projekt.

11. Mit welchem Ihrer Charaktere würde Sie gerne einmal einen Tag verbringen? Was würden sie zusammen unternehmen?

Mit dem Kollegen meiner Kölner Kommissarin Verena Irlenbusch: Christoph Todt. Sein Hobby ist das Ballonfahren. Da soll er mich gefälligst einmal zu einladen ...

12. Schreiben Sie auch sonst gerne Artikel für Magazine? Worin liegen Ihrer Meinung nach die Unterschiede, wenn es um kleine Artikel geht und wenn man ein Buchs schreibt?

Ich schreibe gerne Sachartikel für Schreibmagazine, weil das eng mit meiner Tätigkeit als Seminartrainer für Schreibkurse verknüpft ist. Deswegen liegt der Unterschied in der Sache selbst und ich kann es nicht wirklich vergleichen.

13. Was fällt Ihnen am Entstehungsprozess eines Buches sehr leicht, was schwer? Vielleicht gibt es auch etwas, was Sie total super oder total fürchterlich finden?

Es gibt immer in der Mitte eines jeden Manusskriptes den Punkt, an dem ich alles ganz schrecklich finde und felsenfest davon überzeugt bin, dass das kein Mensch lesen will. Das ist fürchterlich. Total super finde ich Lesungen. Darauf freue ich mich immer sehr.

14. Wie leicht oder schwer ist es für Sie, Ihre Buchidee jeweils bei einem Verlag unterzubringen?

Bisher war es bei keinem meiner Bücher schwer und ich hoffe, dass das auch noch lange so bleibt.

15. Wie organisieren Sie einen Schreibprozess? Wie lange brauchen Sie für ein Buch?

Von der Idee bis zum Wort "Ende" auf der letzten Seite benötige ich  ca. 6 Monate, wovon aber nur zwei bis drei Monate reine Schreibzeit sind. Vorher überlege, recherchiere und plane ich sehr gründlich. Diese Phase ist die deutlich schwierigere.

16. Bei Ihrer ersten Buchveröffentlichung: Was haben Sie von der Buchveröffentlichung damals erwartet und was davon ist in Erfüllung gegangen?

Ich wollte meine Eifelkommissarin zu einer erfolgreichen Regiokrimiserie machen. Das ist mir - soweit ich den Rückmeldungen meiner LeserInnen glauben darf, auch gelungen.

17. Haben Sie je Schreibworkshops besucht? Helfen diese tatsächlich weiter?

Ja. Unbedingt ja. Schreiben ist zu 70% Handwerk und zu 30 % Talent. Wenn eines davon fehlt, funktioniert es nicht. Gute Schreibkurse sind für das Handwerk unverzichtbar. Sie operieren ja auch nicht am offenen Herzen oder legen Stromleitungen ohne es gelernt zu haben.

18. Schreiben Sie lieber für Kinder und Jugendliche oder für Erwachsene?

Definitiv Erwachsene und ältere Jugendliche. Ich bewundere die Kollegen, die es schaffen, Kinder mit ihren Büchern zu fesseln. Das ist ungleich schwieriger, weil Kinder ehrlicher in ihren Reaktionen sind.


Vielen Dank für Ihre Antworten!

 

 

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Der Interviewtrailer zu "Vergessen"