Bettina Bellmont

 

Die Autorin Bettina Bellmont lebt heute in der Schweiz und neben dem Verfassen von Jugendbüchern, ist sie als freie Jounalistin tätig und studiert Germanistik, Publizistik und Japanisch an der Universität in Zürich. Hier wird sie meine Fragen beantworten!

1. Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?

Ich habe mich selbst lange nicht als „Autorin“ gesehen, obwohl ich seit Jahren schreibe. „Autorin“, so sagte ich mir immer, „ist man erst, wenn man ein Buch veröffentlicht hat.“ Jetzt sind schon zwei Bücher draussen und ich fühle mich noch immer nicht wirklich als Schriftstellerin. Das mag daran liegen, dass Schreiben für mich zwar sehr wichtig ist, aber eigentlich nur einen kleinen Teil meines Alltags einnimmt. Ich pendle unter der Woche von der Ostschweiz nach Zürich, wo ich Germanistik, Publizistik und Japanisch studiere. Die ersten beiden Fächer aus beruflich naheliegenden Gründen, letzteres aus reiner Freude an der Sprache und an der Kultur. Zwar war ich erst vor einem halben Jahr für einen Monat in Tôkyô, aber ich habe jetzt schon wieder das Gefühl, dass das schon viel zu lange her ist und ich dringend wieder in den Flieger muss.

Ansonsten bin ich eine vergiftete Leseratte, singe leidenschaftlich in unserem kleinen Chor, den Freundinnen ins Leben gerufen haben, und gehe schwimmen. In meinen Taschen stecken immer irgendwo kleine Notizzettel oder Büchlein, auf denen ich meine spontanen Ideen festhalten muss. Wenn ich eine x-beliebige, nicht zwingend realistische Gabe wählen dürfte, würde ich mich am liebsten in eine Eule verwandeln können. Oder besässe die Gabe, über die meine Romanfigur Asa verfügt: das Übernatürliche in der Welt sehen zu können.

 

2. Wie kamen Sie zum Schreiben?

Ich war schon immer süchtig nach Geschichten. Und nachdem ich als Kind alle Bücher erzählt bekommen habe und alle Kassetten zum hundertsten Mal gehört waren, habe ich mir eben selbst vor dem Einschlafen Geschichten ausgedacht. Kaum konnte ich endlich schreiben, wollte ich diese auch festhalten. Meine ersten beiden Manuskripte während meiner Schulzeit vergammeln jetzt – zum Glück – auf meiner Festplatte und da sollen sie auch schön bleiben. Aus der dritten Geschichte ist nach meiner Gymnasialzeit mein erster Fantasy-Roman „Am Tag der Schwarzen Vögel“ geworden. Mein zweites Buch „Das Schweigen des Schnees“ bildet den Anfang einer Asia-Fantasy Reihe, auf die ich sehr stolz bin und bei der ich voller Freude mitfiebere.

Zu behaupten, ich wollte schon immer Autorin werden, wäre zur Hälfte geflunkert. Eigentlich wollte ich mir einfach Geschichten erzählen und diese mit anderen teilen. Dabei bin ich, ohne gross nachzudenken, zur Bücherschreiberin geworden.

3. Wie finden Sie Ihre Themen und Namen der Charaktere?

Themen springen mich meistens ohne Vorwarnung an. Im Zug, im Hörsaal, unterwegs. Oft wenn ich aufwache und noch über einzelnen Traumfetzen nachstudiere. Meistens fesseln mich Ideen und Plots, die ich selbst auch als Leserin interessant finden würde.

Bei den Namen gebe ich mir immer sehr viel Mühe. Ich mag es, wenn diese etwas über die Charaktere aussagen, vielleicht schon vorausdeuten. Vor allem bei „Schweigen“ konnte ich mich richtig austoben. Abgesehen von den „Statisten“ ist kaum ein Name rein zufällig vergeben worden.

Für Leser, die nicht Japanisch sprechen, mag es schon eine Überraschung sein, was hinter den Hauptfiguren „Asa“, „Yoru“ oder „Shiro“ steckt. „Fortgeschrittene“ entdecken vielleicht das kleine Wortspiel, das ich mit den Familiennnamen der Shichika gebastelt habe. In beiden Fällen freue ich mich wie irre, wenn Leserinnen und Leser davon erzählen, wie sie Nachforschungen betrieben haben, nur um zu wissen, was die Namen bedeuten.

4. Was lesen Sie selber gerne?

Ich mag grosse, epische Stoffe mit vielen Charakteren und weit verzweigten Handlungssträngen. Warum ein Buch lesen, Figuren lieb gewinnen, sich wünschen, selbst einmal in diese tolle Welt eintauchen zu können, wenn das Ganze dann nach nur 300 Seiten wieder vorbei ist?

Was das Genre angeht, mag ich Fantasy, Historische Romane, vereinzelt auch Krimis und deutsche Klassiker aus der Romantik. Und natürlich haufenweise Mangas.

5. Wer sind Ihre Lieblingsautoren?

Ich habe verwundert feststellen müssen, dass beinahe nur männliche Autoren zu meinen Lieblingen gehören. Allen voran J.R.R. Tolkien, Ralf Isau, Stephen King, Tad Williams, Brent Weeks, Walter Moers, Eoin Colfer, Michael Ende. Mit Büchern von Rebecca Gablé und Diana Gabaldon haben aber auch Autorinnen einen Platz in meinem Lieblingsbücherregal ergattert.

6. Wer ist Ihr liebster Romanheld?

Puh. Schwierige Frage. Ich konnte mich immer in viele Charaktere und Helden hineinversetzen, aber der Hauptfigur konnte ich nur selten so viel abgewinnen, dass ich sie vor anderen favorisieren könnte. Nebencharaktere sind mir meistens auch viel lieber. Meine Lieblingsfiguren haben die tragische Tendenz, frühzeitig aus der Geschichte zu scheiden. Dieses Trauma schlägt sich wohl auch in meinen eigenen Büchern nieder.

7. Hatten Sie ein besonderes Erlebnis als Autor/Autorin? Welches war das?

Das ganze Autorleben ist für mich ein besonderes Erlebnis. Vor allem seit ich mit „Schweigen“ auf Lesungen in Schulen unterwegs bin und direkt erleben kann, wie die Geschichte auch beim jugendlichen Publikum ankommt. Am meisten freut es mich, wenn ich höre, wie das Buch einige Stunden Schlaf geraubt hat.

Auch wenn es nicht tagtäglich vorkommt, mag ich es am Morgen aufzustehen, mit dem Kaffee vor den Text zu sitzen und  den ganzen Tag weiterzuschreiben. Und am nächsten Tag mit vollbepacktem Koffer in den Zug zu steigen, in ein Schulzimmer zu treten und meine Freude an der Geschichte mit Schülern zu teilen. Die Abwechslung ist wunderbar spannend.

8. Können Sie und einen Lesetipp geben?

Mein letztes Buch, das ich gelesen habe, war „Plötzlich Shakespeare“ von David Safier. Für einige kurzweilige Stunden ein absolut unterhaltsames Werk. Ansonsten natürlich alle Bücher meiner Lieblingsautoren, auch wenn man da etwas mehr Zeit braucht.

9. Was ist Ihr nächstes Projekt?

Ich arbeite intensiv an Band 2 meiner Asia-Fantasy-Reihe, dessen Titel ich noch geheim halte. Und ein kleineres Schreibprojekt habe ich erst vor einigen Tagen gestartet, das ich parallel dazu verfolgen will.

Dazu warten noch ein kurzer historischer Roman und eine Kindergeschichte auf ihre Veröffentlichung.

10. Haben Sie sich schon einmal gewünscht, im Nachhinein etwas an Ihren Bücher ändern zu können?

Ich habe erst vor einigen Jahren gelernt, überhaupt etwas an meinen Texten zu ändern, wenn sie erst einmal geschrieben waren. Natürlich, Rechtschreibung, Wortstellung etc. konnte ich ohne Probleme nachbearbeiten, aber inhaltlich war ich nicht in der Lage, die Geschichte auch nur im Kleinsten abzuändern. Jetzt klappt das aber ganz gut und ich bin beim fertigen, überarbeiteten Manuskript sehr zufrieden damit.

11. Mit welchem Ihrer Charaktere würde Sie gerne einmal einen Tag verbringen? Was würden sie zusammen unternehmen?

Oh! Da würde es mich reizen, mit Mizuumi shoppen zu gehen. Der kokette Wassergeist wäre – so vermute ich mal - der ideale beste, beinahe-aber-doch-nicht-schwule Shopping-Freund. Aber nach ein paar Stunden würde ich ihn vermutlich auch nicht mehr aushalten.

Mit Shiro wäre der Tag etwas einsilbig.

Mit Asa könnte ich mich stundenlang unterhalten, aber es wäre weniger ein Ausflug als ein Plausch unter Freundinnen.

Wie wäre es wohl, mit Yoru durch die Wälder zu reiten und stumm den Sonnenuntergang zu beobachten?

Ah! Ich hab’s. Den besten Tag hat Asa in „Schweigen“ ja bereits erlebt, worum ich sie ein bisschen beneide. Ich würde mir mit Akio das Feuerwerk ansehen.

12. Schreiben Sie auch sonst gerne Artikel für Magazine? Worin liegen Ihrer Meinung nach die Unterschiede, wenn es um kleine Artikel geht und wenn man ein Buchs schreibt?

Ich schreibe beruflich für Lokalzeitungen und für ein kleineres Magazin. Das Tolle hierbei ist der Kontakt mit den porträtierten Menschen, und dass man immer wieder Neues kennenlernt und erfährt. Letztes Mal hat mich nur das schlechte Wetter vor einem Tandemflug mit dem Gleitschirm bewahrt.(Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das zu meinem Glück oder zu meinem Pech war.)

Der Unterschied zwischen den beiden schreibenden Tätigkeiten liegt für mich weniger in der Länge. Es ist auch eine ganz andere Art zu schreiben. Bei einem Artikel habe ich ein anderes Publikum vor Augen, erzähle weniger, benutze einen anderen Wortschatz, beschränke mich auf Fakten und bleibe konkret. Und ich arbeite unter Zeitdruck. Ich ziehe mir dann innerlich meine Journalisten-Kappe über, die ich nicht mit meiner Autoren-Kappe verwechseln darf.

13. Was fällt Ihnen am Entstehungsprozess eines Buches sehr leicht, was schwer? Vielleicht gibt es auch etwas, was Sie total super oder total fürchterlich finden?

Das ist unterschiedlich. Ich arbeite immer zuerst eine Grundidee aus, die ich erst während dem Schreiben fortlaufend konkretisiere. So bleibt das Ganze auch für mich als Schreibende spannender, als wenn ich jede einzelne Szene schon im Kopf durchdacht hätte. Ich lasse gerne die Zügel los und schaue, was meine Charaktere so anstellen. Manche Szenen fallen mir dann leichter oder eben auch etwas schwerer.

Kämpfen muss ich manchmal nur gegen mich selbst, wenn meine Motivation und mein Selbstwertgefühl bezüglich meiner Schreibe etwas geknickt sind. Das geschieht meist, wenn ich das Gefühl bekomme, dass das Buch nieeee fertig wird. Was es dann aber doch wird.

14. Wie leicht oder schwer ist es für Sie, Ihre Buchidee jeweils bei einem Verlag unterzubringen?

Meine „Karriere“ ist ja noch recht jung. Daher habe ich bisher immer nur aus eigener Initiative vollständig fertige Manuskripte eingereicht. An den beiden Büchern musste bezüglich Idee und auch inhaltlich nicht viel geändert werden. Bei einer Auftragsschreiberei für einen Verlag ist das wohl anders, aber bisher habe ich diese Erfahrung noch nicht machen können. Vielleicht ist das aber auch gut so. Da müsste ich meine experimentelle Herangehensweise an den Schreibprozess viel mehr organisieren und kontrollieren.

15. Wie organisieren Sie einen Schreibprozess? Wie lange brauchen Sie für ein Buch?

Zuerst ist da eine Idee, die mich fesselt. Das kann eine einzelne Szene, eine Rahmenhandlung, ein Titel sein. Diese Idee arbeite ich soweit aus, bis ich mich zumindest an die ersten Kapitel setzen kann und weiss, wohin das Ganze führen soll. Danach setze ich mir grobe Ziele (meist keine Seiten- oder Zeichenzahlen, sondern „Bis Ende Mai bis zur Stelle, wo …“ Meist kann ich diese aber nie einhalten, weil das Buch einfach wächst und wächst und wächst und so viel mehr dazu kommt, als dass ich eingerechnet hatte. Noch während der Überarbeitung und Korrektur gebe ich es meist an befreundete Testleser weiter.

Die Dauer bis zur Vollendung kann da schon einmal länger dauern, wobei ich allerdings immer routinierter werde. Gut 100 Seiten schaffe ich in zwei Monaten, aber das auch nur, wenn ich Zeit dazu habe, was viel zu selten vorkommt.

16. Bei Ihrer ersten Buchveröffentlichung: Was haben Sie von der Buchveröffentlichung damals erwartet und was davon ist in Erfüllung gegangen?“

Ich hatte als gut Zwanzigjährige die naive Vorstellung: Wenn das Buch dann mal draussen ist, läuft alles ganz von alleine. Dabei beginnt das Autorsein eigentlich erst richtig mit der Veröffentlichung. Mit Lesungen, Autorentreffen, Austausch mit Lesern, Kontakt mit Zeitungen und Medien und Zusammenarbeit mit dem Verlag ist meine Welt im Vergleich zum einsamen Schreiben am Computer ein grosses Bisschen gewachsen.

Und: Bei meinem ersten Buch hat beinahe niemand bemerkt, dass es da ist. Mit Nummer 2 läuft’s schon viel besser. Das motiviert mich, einfach stetig weiterzuarbeiten.

17. Haben Sie je Schreibworkshops besucht? Helfen diese tatsächlich weiter?

Besucht habe ich bisher keinen. Da war ich eher der Typ „Learning by Doing“. Ich schätze aber die Tipps aus dem Buch „Kreativ Schreiben“ von Fritz Gesing sehr. Ich glaube, dass Schreiben zu einem grossen Teil wirklich ein Handwerk ist, das gelernt und geübt werden kann. Allerdings muss man das „gewisse Etwas“, das die eigene Schreibe und die eigenen Geschichten besonders und interessant macht, selbst erspüren.

18. Schreiben Sie lieber für Kinder und Jugendliche oder für Erwachsene?

Hmm. Interessante Frage. Da ich schreibe, was ich selbst lesen würde, sind meine Geschichten immer sehr all-age geraten. Aus reiner Neugier habe ich mich aber auch an eine Kindergeschichte gewagt und hatte dabei richtig viel Spass, ohne allerdings zu wissen, wie die Geschichte tatsächlich bei Kindern ankommen wird. Ich hoffe, meine kleinen Racker „Milli und Eule“ werden irgendwann auch in Buchform gelesen werden und Kindern und Eltern ans Herz wachsen. Das Schreiben war ganz anders, kürzer, intensiver, lockerer. Allerdings würde ich mich nie dafür entscheiden, nur noch Kinderbücher zu schreiben. Ich mag den Reiz der vielschichtigen, tiefgehenden Romane für Jugendliche und Erwachsene, wie ich sie mit meiner Asia-Fantasy Reihe derzeit spinne.


Vielen Dank für Ihre Antworten!

 

 

Hier sehr ihr das Cover von Bettina Bellmonts Roman "Das Schweigen des Schnees". 

 

Der Link führt euch direkt zur Beschreibung des Buches, und auch die Leseprobe könnt ihr dadurch einsehen!