Heiko Griessbach in der ...


Was ist denn überhaupt die speakers' corner?


Das ist dritte Folge:

Zur ersten mit Frank S. David geht es hier entlang.

Zur zweiten mit Jessica Swiecik einfach hier klicken. 


Heiko Griessbach:


Vor 34 Jahren etwa (oh Gott bin ich alt!) habe ich meinen ersten Roman geschrieben. Er hatte etwa 30 Seiten und darin passierte so viel, wie in einen 500 Seiten Buch. Eine science fiction Geschichte schickte ich an einen Verlag und bekam eine zweiseitige Antwort, in der begründet wurde, warum meine Geschichte für eine Veröffentlichung nicht geeignet sei und dass ich von weiteren Einsendungen absehen solle. 

2011 stieß ich dann auf die neu gegründete Internetplattform eines bekannten Verlages und fand wieder zum Schreiben. Von anderen Schreiberlingen lernte ich eine Menge über dieses Handwerk und begann bald, erste Werke auf Amazon als Selbstpublisher zu verkaufen. Das war damals ganz neu und eine Riesenchance, die eigenen Werke, die kein Verlag haben wollte, an den Mann oder an die Frau zu bringen.

Mein erster richtiger Thriller Im Finsteren Wald war anfangs ziemlich erfolgreich, bis er einige schlechte Rezensionen in Folge erhielt. Mein erster Chick Lit unter Pseudonym war im November 2013 so erfolgreich, dass er bis auf Platz 54 der Amazon Top 100 bezahlt Liste kam und sich 15 Tage in den Top 100 hielt. 

Inzwischen schreibe ich in verschiedenen Genres und aus dem Hobby ist fast so etwas wie ein kleiner Nebenjob geworden. Ich habe mit Kurzgeschichten angefangen und mich langsam hochgearbeitet. Dennoch sind nahezu alle meine Werke atmosphärisch dicht und sehr kurz. Ich würde lieber ausschweifender schreiben und wie Stephen King auf Masse, sprich viele Seiten, kommen, doch das gelingt mir nicht.

Ein Grund, warum mir das nicht gelingt, ist die Art und Weise, wie ich meine Werke schreibe. Jemand, der einen Roman plant, der plottet vorher, was einen oder auch drei Monate dauern kann. Das bedeutet, er plant seinen Roman, erfindet die Figuren, gibt ihnen Aussehen und Charaktere, legt die Handlung fest, wann wo was passiert. Das nennt man plotten und manche Autoren gehen dabei soweit, bereits die einzelnen Kapitel durchzuplanen. Sie können dann genau sagen, dass ihr Roman zum Beispiel 18 Kapitel haben und etwa auf 320 Seiten kommen wird. Plusminus vielleicht 15 Seiten.

Bei mir ist es so, ich kann weder auf Wunsch oder Bestellung schreiben, noch nach Plan. Ich muss warten, bis ich eine Idee habe. Die überdenke ich dann und wenn ich der Meinung bin, ja, sie könnte gut sein, dann setze ich mich an den Computer und fange an zu schreiben. Ich entwickle eine Story also Stück für Stück aus dem Bauch heraus und weiß am Anfang nur, dass ich einen Thriller schreiben will, der ähnlich sein soll wie Thriller x von Autor Y. 

Wie kam ich zu meinem neuen Buch? Bei Hexeninternat, seit drei Wochen Amazons Bestseller Nummer eins in Romane für Kinder und Jugendliche, war es so: Ich recherchierte im Zuge einer Idee über das Eliteinternat auf Schloss Torgelow, aber aus diesem Projekt wurde nichts. Dann fiel mir beim Autofahren, wo ich immer die meisten und besten Ideen habe, ein, ich könnte ja mal wieder etwas über ein Mädchen schreiben. Sie sollte erst spät erfahren, dass sie eine Hexe ist. Ihr Pa wurde von Hexenjägern überfallen und muss mit ihrer Ma fliehen. Sie klären die Tochter darüber auf, Hexen zu sein und geben sie zu ihrer Sicherheit in ein Internat. In das Hexeninternat. 

Als ich mit dieser Idee zu schreiben begann, wusste ich nicht, wie es enden würde und ich wusste nicht, dass das Buch bis auf Platz 14 der Top 100 kommen sollte. Ich habe schon ein kleines Buch über ein ähnliches Mädchen geschrieben. Johanna bekommt ein Surfstipendium an einer Highschool auf Hawaii. Berlin Hawaii - Kailua High heißt das Buch und ist im gleichen Stil wie Hexeninternat geschrieben, nur ohne Hexen. Es wird kaum gekauft und deshalb hätte ich nie gedacht, dass Hexeninternat so ein Erfolg wird. Es kann auch nicht nur nicht am Cover von Hexeninternat liegen, das ich liebe, weil mein Buch Betacity (auch mit einem Mädchen, aber als Dystopie) auch ein sehr tolles Cover hat und trotzdem nicht läuft.

Autoren wie ich, die aus dem Bauch heraus schreiben, nennt man discovery writer oder entdeckende Schreiber, da sie erst beim Schreibvorgang die Handlung und weitere Figuren in ihrem Kopf „entdecken“. Stephen King schreibt so seine Mammutwerke. Planende Schreiber nennt man Outliner.

Woher kommen nun meine Ideen? Ich habe keine Ahnung. Ich habe schon sehr viel in meinem Leben gelesen, ich arbeite, ich bin sehr oft unterwegs und halte immer die Augen offen. Die besten Ideen kommen mir wie gesagt beim Fahren, was schwierig ist, da ich auch schnell wieder vergesse, was mir durch die Hirnwindungen schießt. Also heißt es, rechts ranfahren, wo es geht und ins Notizbuch aufschreiben, was gerade als Gedanke kam. Dann kommen mir Ideen im Fitnessstudio beim Trainieren und manchmal bin ich mehr treppauf und treppab unterwegs und beschäftigt mit Aufschreiben als mit Sport. Bei der Arbeit kommen mir auch Ideen, mein Chef hat mich schon ein paar Mal beim Schreiben erwischt und er findet das nicht lustig. Wenn ich am Computer sitze, kommen mir eher Verbesserungen und schönere Formulierungen in den Sinn. Ich überarbeite meine Texte während des Schreibvorgangs, was wieder ein Unterschied zu den meisten Autoren ist. Besser ist es, so wie sie erst das ganze Buch in einem ersten Entwurf zu schreiben und dann zu überarbeiten. Dann drei Monate liegenlassen und wieder überarbeiten. Ich kann das nicht und ich bin viel zu ungeduldig. Wenn ich eine Idee habe, muss ich schreiben. Und ich will schnell fertig werden und veröffentlichen. Nicht, weil ich geldgeil bin, sondern weil es mich einfach innerlich drängt. 

Wann komme ich nun zum Schreiben? Ich arbeite Früh- und Spätschicht im Wechsel, fahre zweimal in der Woche zu meiner Mutter, die auch in Berlin wohnt, treibe Sport, gehe ins Center bummeln, täglich einkaufen und Sonntag geht’s raus ins Grüne. Ich lese (meist auf meinem Reader) und schaue sogar fern, bin viel bei Facebook und im Internet allgemein oder rede mit meiner Frau. Aber die andere Zeit (welche???) schreibe ich. Ich habe einen Computer mit XP, der über meinen Flachbildfernseher als Monitor läuft und ich sitze ihm gegenüber mit der Funktastatur auf den Beinen, der Funklasermaus neben mir auf dem Sofa. 

Theresa fragt mich nach meinen Autorenzielen und ob meine Werke eine Message haben. Schwere Fragen. Ich wollte früher natürlich zu einem Verlag, wie sicher fast jeder Autor, gerade, wenn er noch am Anfang steht. Jetzt bin ich froh mein eigener Herr zu sein. Ich bestimme, wo es in der Handlung lang geht, ich bestimme die Charaktere, den Titel, das Cover, den Preis. Niemand quatscht mir rein und nimmt mir 90% des Lohnes meiner Arbeit weg. Denn das tun Verlage. Und Werbung für ihre Autoren machen die Wenigsten. Es gibt Unmengen von kleinen und mittleren Verlagen, die nie ein Buch bei Thalia, Hugendubel und Co. Unterbringen, nie in Buchhandlungen auftauchen. Was, also soll ich dort? Aber das muss jeder für sich selber entscheiden. Läuft ein Buch von mir nicht, muss ich mich fragen, woran es liegen könnte und versuchen, ein besseres zu schreiben.

Eine Message haben meine Bücher nicht. Ich schreibe keine Literatur, ich schreibe kurze und lange Geschichten, die die Leute unterhalten sollen, die ihnen Kurzweil bereiten und zum Beispiel Wartezeiten beim Amt oder auf Bahnfahrten verkürzen sollen. Wenn ich das schaffe, bin ich froh. Punkt. 

Natürlich schreibe ich auch, um Geld zu verdienen. Alle sagen immer, nein, sie tun das nicht, sie wollen Botschaften verbreiten oder Literatur kreieren, aber alle nehmen Geld für ihre Werke. Ich sage offen, ich schreibe für Geld und wurde deshalb schon schräg angemacht. Mir egal. Ich will in spätestens neun Jahren mit meiner Frau nach Thailand gehen und muss dort neun oder zehn Jahre vom Ersparten leben, bevor ich mit 67 - so Gott will - Rente bekomme. Da ich keine Arbeitserlaubnis in Thailand bekommen werde, müssen wir mit ausreichend Kohle dort erscheinen und mein Brotjob ist zwar toll (ich bin Mikrotechnologe) aber die Löhne in Berlin kennt wohl jeder. 

Wie geht meine Umwelt damit um, dass ich Autor bin? Nun, meine Mutter ist saustolz und liest meine Bücher. Meine Frau ist stolz auf mich, aber beide haben keine Ahnung, was es bedeutet, 60000 Wörter zu einem Text zu tippen, die man sich erst ausdenken muss!! Bekannte und Kumpel schreiben oftmals selbst oder sie wissen nichts von meinem Hobby. Auf meiner Arbeit wissen einige, dass ich schreibe, aber es interessiert sie wie die meisten anderen Leute nicht viel. Manche stricken, manche laufen Marathon, sammeln Bierdeckel oder schreiben Bücher. 

Für mich ist Autor sein und Bücher oder Geschichten zu schreiben ein Wunder. Ich finde es unglaublich faszinierend, aus anfangs garnix, dann nur einer Idee, etwas zu machen, das Leute geistig beim Lesen in andere Welten entführen kann. 

Meine Autorenseite ist: http://xheiko.de


Über den Autor:


Also ich heiße Heiko, bin Baujahr 66 und meine Frau Nanthana erblickte 78 das Licht der Welt in Thailand. Seit Dezember 2009 wohnen wir in Berlin Marzahn und seit dieser Zeit sind wir verheiratet. Ich lernte Facharbeiter für geologische Bohrungen und arbeitete 16 Jahre als Bohrer, bin nach erfolgreicher Umschulung nun Mikrotechnologe und Nan arbeitet seit 1. April als Zimmermädchen. Vorher hat sie erfolgreich den Deutschkurs bis B2 geschafft. (Integrations- und Orientierungskurs). In Thailand studierte sie, beendete erfolgreich die Uni Bangkok und ging für 2 Jahre nach Norwegen als AuPair.


Das war ein etwas längerer Beitrag, oder etwa nicht ;) Aber spannend und interessant!


Ich bin mir sicher, dass sich jetzt noch nicht alle eure Fragen geklärt haben und gebe euch deshalb (wie gewohnt!) die Möglichkeit den Autor Heiko Griessbach direkt zu fragen.


Wie? Hinterlasst unter diesem Post einfach einen Kommentar und entweder werde ich oder der Autor selbst euch antworten. Fragen, Anregungen, Wünsche, Kritik: Alles wollen wir gerne wissen - einfach Feedback bekommen! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Marie (Donnerstag, 12 Februar 2015 14:29)

    Darf ich fragen, was deine Beziehung zu Thailand ist? Du hast öfter davon gesprochen? Deine Bücher handeln aber nicht in Thailand, oder? Das ist interessant!

  • #2

    sternchen (Donnerstag, 12 Februar 2015 14:56)

    Toller Beitrag mal wieder! Und jeder bisher war so ganz anders! Wird es jetzt einen alle 3 Wochen geben? Am Donnerstag?

  • #3

    Steffi L. (Donnerstag, 12 Februar 2015 15:09)

    Danke für deine Worte! Ich schau gleich mal auf deiner Autorenseite vorbei!

  • #4

    Heiko (Donnerstag, 12 Februar 2015 17:01)

    Hallo Marie: Meine Beziehung zu Thailand? Meine Frau ist Thai und wir fliegen jedes Jahr hin. In spätestens 8 Jahren wollen wir für immer dort bleiben. Ich liebe das Land und die Leute, die anders sind, als die Deutschen. Ich habe (unter Pseudonym)ein Buch geschrieben, einen Chick lit, in dem eine Frau nach Bangkok des Jobs wegen zieht. Kein Kerl zum Verlieben.
    Danke an Steffi und Hallo zu allen.
    Gruß Heiko

  • #5

    Marie (Freitag, 13 Februar 2015 15:32)

    Danke für die Antwort ^^Oh wow, dann zählt ihr schon die Jahre? Ist Deutschland so schlimm? Ich liebe Thailand irgendwie auch - wegen der Kultur, dem Wetter und den Bildern, die man einfach mit dem Land in Verbindung bringt...

  • #6

    Heiko (Sonntag, 15 Februar 2015 09:45)

    Hi, ja, ich zähle schon. Meiner Frau ist es egal. Aber ich will hier weg. Nur mürrische, neidische, über alles meckernde Menschen, die alles schlecht sehen, schlecht reden, die brauche ich nicht. In T. kann ich ne Straßenhändlerin, die für 25 Cent Blumen flechtet und verkauft, anlächeln und sie lächelt zurück - ohne dass ich etwas kaufen muss. Hier kommt dann ein "Was willst du? Verpiss dich!". Dort ist die Frau happy, wenn ich sie als Ausländer in iher Sprache begrüße.