Martin Krist über "Engelsgleich"

Heute habe ich euch etwas ganz besonderes zu bieten, nämlich eine Premiere: Ich durfte den Thriller "Engelsgleich" von Martin Krist, am 5. Dezember im Ullstein Buchverlag erschienen, lesen und rezensieren und exklusiv dazu für euch dem Autor Martin Krist auch noch einige Fragen stellen. Bei dieser Gelegenheit schon mal vorab eine Information für euch: Am Mittwoch, den 7. Januar 2015 liest der Autor Martin Krist aus "Engelsgleich" im Berliner Kriminal Theater. Wer von euch interessiert ist und unbedingt dabei sein möchte (ich, ich! Leider habe ich Schule und wohne nicht in Berlin....), der kann hier einmal vorbeischauen und noch mehr erfahren:


https://www.facebook.com/events/360510320782043/


http://www.kriminaltheater.de/index.php?article_id=297


Aber bevor ihr gleich nach Eintrittskarten schaut, lest doch erstmal, worum es in dem Thriller überhaupt geht, was ich darüber denke und lernt den Autor in meinem Interview näher kennen: 


Meine Rezension



Inhalt:


Ein verschwundenes Mädchen. Eine verzweifelte Mutter. Eine grauenhafte Entdeckung.


In Berlin wird Hauptkommissar Paul Kalkbrenner zu einem Tatort gerufen. Auf einem Fabrikgelände wurde der verstümmelte Leichnam einer jungen Frau entdeckt. Unweit davon befinden sich stinkende Kloakebecken. Fassungslos müssen Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth zusehen, wie eine Leiche nach der anderen aus den Gruben geholt wird. Ist unter ihnen auch die verschwundene Merle, die von ihrer Pflegemutter Juliane Kluge verzweifelt gesucht wird? 






Leseprobe?!:


http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/engelsgleich-9783548286396.html?cHash=086e0456f7856625214586d468ddcfb8


Meine Rezension:


Der Thriller ist wirklich, wirklich spannend! Die Handlung erstreckt sich über mehr als 400 Seiten, doch die Spannung nimmt an keiner Stelle ab! Im Inhalt gibt es zwei Hauptereignisse, die parallel zueinander ablaufen.  Zuerst einmal wäre da der Hauptkommissar Kalkbrenner, er ermittelt in einem Fall mit elf Leichen von Kindern. Für ihn als Handlungsträger ist diese Situation besonders schwer, da er gerade eben erst erfahren hat, dass seine Tochter schwanger ist. Und dann gibt es noch das lesbische Paar Juli und Yvonne, deren Pflegekind Merle verschwunden ist. Die beiden Frauen reagieren auf das Verschwinden ihres Pflegekindes ganz anders: Yvonne tut in gewisser Weise so, als wäre nichts passiert und lebt ihr Leben einfach weiter, wohingegen Juli alles menschenmögliche tut, um ihre Tochter wieder zu finden. Zwei hochspannende Handlungsträger, die miteinander verwebt sind.... Beides geschieht  in großer Tiefe, und hat mich als Leserin tief berührt. So unterschiedlich sie auch sein mögen, alle Charaktere dieses Thrillers konnte ich verstehen - ich konnte mich mit ihnen identifizieren und mitfühlen. Das bestimmt auch, weil sie alle realistisch und charakteristisch gezeichnet worden sind und jede Person für sich steht und anders mit der Handlung umgeht. Das hat mich sehr beeindruckt - wie hat der Autor das nur geschafft?

Wie schon angedeutet, dachte ich anfangs, beide Handlungen geschehen parallel. Aber dann kurz nach der Hälfte ist mir bewusst geworden, dass eine Handlung schon mehr als zwei Jahre in der Vergangenheit passiert ist. Das war irgendwie ein Schock für mich, weil ich damit nun gar nicht gerechnet hatte...

Bei einigen Stellen des Buches ist mir wirklich der Atem gestockt - das war bei mir zuletzt der Fall bei "Bittere Wunden" von Karin Slaughter - aber hier geht es um Themen der Misshandlung, der Folter von Kindern und ich war mir die ganze Zeit über bewusst, dass solche Dinge wirklich in der Realität passieren. Sie wurden hier einfach brutal und schonungslos angesprochen - auch eine Sache, die mich beeindruckt hat. Denn wie oft passiert so etwas schon mal? Wie oft verschließen wir einfach die Augen, um nicht sehen zu müssen, was eigentlich in der Welt passiert? Viel, viel, viel zu oft!!! 

Das Ende des Buches kram auch für mich total unerwartet und überraschend - leider aber auch sehr realitätsnah berichtet und umso frustrierter war ich, als ich das Buch weglegen musste. Zum einen, weil es tiefe Nacht war und ich mich von der anhaltenden Spannung nicht wegreißen konnte und zum zweiten, weil der Thriller ausgelesen war. 

Das Buch hat mich einfach beeindruckt - ich konnte es nicht weglegen, weil selbst wenn ich mir nur ein Glas Wasser während dem Lesen geholt habe, war die Spannung allgegenwärtig und die Handlung hat mich verfolgt. Dieses Buch ruft wirklich sämtliche Emotionen beim Leser auf - oder war das nur ich? Ich habe geweint (passiert normalerweise nicht oft bei mir und nochdazu bei Thrillern), geschmunzelt und natürlich mich gegruselt, gefürchtet, und einfach wegschauen und das Buch weglegen wollen. Das ging aber nicht, aufgrund der hochgradigen Spannung! Abschließend kann ich sagen: Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven! 


Mein Fazit:


Für diesen Thriller kann es nur ***** fünf Sterne von mir geben. Ich bin von dem Autor und seinem Werk zutiefst beeindruckt, die Themen müssen angesprochen werden und der Schreibstil hat alle Emotionen bei mir hervorgerufen! Sehr, sehr, sehr zu empfehlen an alle meine Leser! 


Autoreninfo:


Martin Krist ist das Pseudonym des erfolgreichen Autors Marcel Feige. Geboren 1971, arbeitete er als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften und lebt seit 1998 als Schriftsteller in Berlin.


Vielen Dank an den ullstein Buchverlag für das Rezensionsexemplar! 


Interview mit Martin Krist - dem Autor

Zugegeben, erst stand das Interview mit dem Thriller Autor und danach habe ich sein neues Buch "Engelsgleich" gelesen. Aber das lag vor allem daran, dass ich schone seit Sommer 2014 mit Martin Krist ein Interview führen wollte. Und jetzt ist es mir ein noch größeres Anliegen, denn wie ihr in meiner Rezension (oben) lesen habt können, gefiel mir sein Thriller sehr gut! Und aus diesem Grund kann ich es auch nicht erwarten, meine Fragen an den Autor loszuwerden. MARTIN KRIST


Martin Krist, geboren 1971, lebt als Schriftsteller in Berlin. In diesen Tagen ist sein neuer Thriller »Engelsgleich« erschienen.


Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, welche Gabe Sie gerne besäßen …?


Martin Krist: Das sind eine Menge Fragen auf einmal ... Nun, ich bin in der glücklichen Lage, mein Hobby zu meinem Beruf gemacht zu haben. Ich arbeite seit 15 Jahren als Schriftsteller. 

Als Martin Krist schreibe ich Krimis und Thriller. Als Christoph Brandhurst Bücher mit explizit erotischem Inhalt. Und unter meinem richtigen Namen Marcel Feige Sachbücher, vor allem Biografien (zum Beispiel über Tattoo-Theo, Nina Hagen, Sido, Kurt Cobain).

Damit ist mein Traum von Glück in Erfüllung gegangen. Und das bedeutet, dass es eigentlich auch keine Gabe gibt, die ich gerne besäße. Denn über die schönsten aller Gaben verfüge ich bereits: Ich kann lesen und schreiben – und damit meine Leserinnen und Leser begeistern. Kann es etwas Schöneres geben?


Wie kamen Sie zum Schreiben?


Martin Krist: Durch das Lesen. Ich habe schon als kleiner Junge reihenweise Bücher verschlungen. Ich war das, was man eine Leseratte nennt. Geschichten von Karl May, später Agatha Christie, haben mich so sehr fasziniert, dass sie in mir den Wunsch weckten, ebenso spannende Geschichten zu erzählen.


Wie finden Sie Ihre Themen und Namen der Charaktere?


Martin Krist: Indem ich mit offenen Augen durch den Alltag gehe. Ich beobachte Menschen, ich lese Zeitung, gucke Nachrichten. Die Themen für meine Thriller liegen förmlich auf der Straße. Die Figuren, die nötig sind, um spannende Geschichten über diese Themen zu schreiben, finden dann wie von selbst zu mir.


Was lesen Sie selber gerne?


Martin Krist: Krimis und Thriller. Aber auch historische Romane. Und vor allem Sachbücher zu allen erdenklichen Themen. Und Biografien.


Wer sind Ihre Lieblingsautoren?


Martin Krist: Lieblingsautoren habe ich nicht wirklich. Aber Autoren, deren Bücher ich gerne lese. Zum Beispiel von Elisabeth Herrmann, Don Winslow, Lee Child, Deon Meyer, Roger Smith, Dennis Lehane – und natürlich Stephen King.


Wer ist Ihr liebster Romanheld?


Martin Krist: Jack Reacher.


Hatten Sie ein besonderes Erlebnis als Autor? Welches war das?


Martin Krist: Ein besonderes Erlebnis ist immer wieder die Recherche zu einem neuen Roman. Das Eintauchen in ein Thema sowie die Begegnung mit Menschen unterschiedlichster Herkunft.

Jede Lesung und jede Begegnung mit meinen Leserinnen und Lesern, die mir berichten, wie sehr ich sie mit meinen Geschichten begeistert habe, ist ein besonderes Erlebnis.


Können Sie uns einen Lesetipp geben?


Martin Krist: Auf jeden Fall – "Es" von Stephen King. Ein Meisterwerk.


Was ist Ihr nächstes Projekt?


Martin Krist: Im Augenblick eine Biografie für den Jugendbuchverlag Beltz  & Gelberg. Danach mein neuer Thriller.


Haben Sie sich schon einmal gewünscht, im Nachhinein etwas an Ihren Bücher ändern zu können?


Martin Krist: Nein. Ich konzipiere ein Buch im Vorfeld sehr aufwendig und sehr detailreich. Wenn ich es dann schreibe, feile ich sehr lange an den Kapiteln. Wenn das Buch fertig, ist es fertig. Dann bin ich zufrieden.


Mit welchem Ihrer Charaktere würde Sie gerne einmal einen Tag verbringen? Was würden Sie zusammen unternehmen?


Martin Krist: Mit David Gross, Hauptfigur meines Romans "Drecksspiel". Ich würde mich mit ihm in einer Kneipe treffen, entspannt ein paar Hemingway Sour trinken und dabei das Berliner Leben an uns vorbeifließen lassen.


Schreiben Sie auch sonst gerne Artikel für Magazine? Worin liegen Ihrer Meinung nach die Unterschiede, wenn es um kleine Artikel geht und wenn man ein Buch schreibt?


Martin Krist: Ich habe lange Zeit als Journalist gearbeitet, aber das ist 15 Jahre her. Artikel schreibe ich keine mehr, nur ab und zu Rezensionen für den evolver, ein Online-Magazin.

Ein kurzer Artikel ist schnell konzeptioniert und innerhalb weniger Stunden geschrieben. Ein Buch braucht eine Vorlaufzeit von zwei, drei Monaten, und weitere sieben, acht Monate, in denen es geschrieben wird. Der Unterschied liegt also auf der Hand.


Was fällt Ihnen am Entstehungsprozess eines Buches sehr leicht, was schwer? Vielleicht gibt es auch etwas, was Sie total super oder total fürchterlich finden?


Martin Krist: Nichts davon fällt mir leicht oder schwer. In gewisser Weise ist das Schreiben Handwerk. 

Der kreative Prozess findet – zumindest bei mir – im Vorfeld statt. Zwei, drei Monate, in denen ich die Geschichte im Detail ausarbeite, Kapitel für Kapitel. Dann muss ich die Kapitel nur noch Schreiben. Das ist, wie gesagt, reines Handwerk.

Was nicht bedeutet, dass mir beim Schreiben keine neue Ideen für die Geschichte einfallen, nicht nur Dialoge, auch Figuren, Wendungen, ganze Szenen. Das kann sich auswirken auf die ganze Geschichte, was wiederum bedeutet, dass ich vieles umschreiben muss. DAS finde ich füchterlich.

Und was finde ich super? Wenn ich nach acht Monaten das Wörtchen "Ende" unters Manuskript setzen kann. ☺


Bei Ihrer ersten Buchveröffentlichung: Was haben Sie von der Buchveröffentlichung damals erwartet und was davon ist in Erfüllung gegangen?


Martin Krist: Erwartet habe ich von meiner ersten Buchveröffentlichung damals gar nichts. Ich habe mich viel zu sehr darüber gefreut, mein erstes, eigenes Buch in den Händen zu halten – und über den Gedanken, dass das, was ich mir zurechtphantasiert habe, jetzt auch andere Menschen lesen können. Davon habe ich so lange geträumt. Darauf habe ich so lange hingearbeitet.


Haben Sie je Schreibworkshops besucht? Helfen diese tatsächlich weiter?


Martin Krist: Nein, ich habe nie einen Schreibworkshop besucht. Und wenn ich ehrlich sein soll: Ich würde es auch niemandem empfehlen, einen Schreibworkshop zu besuchen.

Denn dort lernt man für sehr viel Geld nichts, was man nicht auch für lau lernen kann, indem man Bücher liest, Bücher liest, Bücher liest – und noch mehr Bücher liest. Und dabei aufmerksam schaut, wie andere Autoren ihre Figuren anlegen, ihre Geschichten konzipieren, wie sie Spannung entfalten, Wendungen erzeugen.

Und dann fängt man an zu schreiben. Zu korrigieren. Zu kürzen. Zu löschen. Um wieder von vorne zu beginnen.

Mein Motto war immer: Learning by doing.


Schreiben Sie lieber für Kinder und Jugendliche oder für Erwachsene?


Martin Krist: Sowohl als auch.



Vielen Dank für das spannende Interview! Es hätte noch so viele Fragen gegeben, die ich gerne losgeworden wäre! Also vielleicht beim nächsten Interview? Zum nächsten Thriller? :)





Der Thriller klingt spannend, oder? Wer von euch nicht zu der Lesung in Berlin kommen kann, dem kann ich den Thriller "Engelsgleich" nur dringend empfehlen zu lesen, denn er ist es definitiv wert! Hat ihn jemand schon gelesen? Mich interessiert eure Meinung brennend: Was sagt ihr dazu? Seid ihr auch so tief beeindruckt? 




Und wer gerne zu der Lesung gehen möchte, der darf dann in den Kommentaren gerne auch anschließend erzählen, wie ihm/ihr die Lesung gefallen hat. Mehr Informationen gibt es hier (Facebook) und hier (Kriminaltheater) . 

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Kommentare: 3
  • #1

    Steffi L. (Montag, 05 Januar 2015 13:38)

    Liebste Theresa, da hast du dir aber viel Mühe mit dem Rezensieren gegeben - eine tolle und spannende Rezi! Das Buch muss ich auch unbedingt lesen! Schade, dass ich nicht in Berlin wohne.... Ich wäre gerne zur Lesung gegangen! Und auch das Interview ist schön gestaltet!

  • #2

    Marie (Montag, 05 Januar 2015 14:35)

    Tolle Rezension und schönes Interview!

  • #3

    @ Steffi L. und Marie (Freitag, 06 Februar 2015 17:37)

    @ Steffi L.
    Freut mich liebe Steffi! Deine Worte bedeuten mir viel!

    @ Marie:
    Danke du Liebe!