Blind Walk

von Patricia Schröder

Quelle: Patricia Schröder
Quelle: Patricia Schröder

Inhalt:

 

„Sieben Jugendliche, ausgesetzt im Nirgendwo, in einem Spiel, aus dem es kein Entkommen gibt“

 

Als die 17-jährige Lida sich zusammen mit ihrem Freund Jesper bei einem sogenannten „Blind Walk“, einem Event aus dem Internet, teilnimmt, rechnet sich nicht mit mehr als ein bisschen Nervenkitzel. Zusammen mit fünf anderen Jugendlichen werden Lida und Jesper mit verbundenen Augen ind er Wildnis ausgesetzt, ausgestattet mit einem Kompass und ein paar wenigen Gegenständen. Von Anfang an ist die Stimmung in der Gruppe hochexlosiv und die Situation droht zu eskalieren, als die Jugendlichen nach einiger Zeit die Leiche einer der Männer finden, die sie in den Wald gebracht haben. Lida beschleicht auf einmal das Gefühl, dass sie beobachtet werden und schon bald wird dieser Verdacht zur bösen Gewissheit: Irgendjemand da draußen macht Jagd auf sie und dabei scheint er es vor allem auf sie, Lida, abgesehen zu haben.

 

Leseprobe?!:

 

http://www.amazon.de/Blind-Walk-Patricia-Schr%C3%B6der/dp/3649617498/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1408634434&sr=8-1&keywords=blind+walk

 

Meine Rezension:

 

Die Geschichtegeht sofort los. Nach einer kurzen Einführung, in der Lida ihren Freund Jesper dazu überredet, sie mitzunehmen, finden sich die Jugendlichen schon mitten im Wald wieder – im wahrscheinlich größten Abenteuer ihres Lebens. Durch den unerwarteten und mysteriösen Fund der Leiche ganz am Anfang wird sofort die Atmosphäre eines Thrillers übermittelt – und das Gefühl der Spannung nimmt den ganzen Roman lang nicht ab. Besonders interessant ist vor allem, wie unterschiedlich die Charaktere sind. Nicht nur in ihrem Charakter, sondern auch in ihren Einstellungen gegenüber dem Blind Walk, und das macht die Geschichte auch so spannend, denn das gegenseitige Vertrauen ist eigentlich am aller wichtigsten bei einem solchen Event. Hier herrschen aber komplett verschiedene Ansichten vor und das sorgt für einige Konflikte. Immer wieder beschließt die Gruppe, wieder das gegenseitige Vertrauen aufzubauen. Und in so manchen Schlüsselmomenten bemerkt man auch das Vertrauen, aber dann ist es wieder nicht vorhanden, teils mit fatalen Folgen….

 

„‘Ich liebe dich, Lida Donelly. Und du wirst jetzt bitte den Teufel tun und mir ein Messer ins Herz rammen.‘ Ich schlucke. Und schlucke. Und schlucke.“ (Seite 364)

 

Patricia Schröder verfasst ihren Thriller in einem Schreibstil, der sofort auf einen fesselnden Roman hindeutet und es gibt so einige Stellen, an denen ihr Sprachwitz deutlich hervorkommt!

 

„‘Und was ist mit dir?‘ ‚Ich enthalte mich.‘ ‚Toll!‘, fährt Thore ihn an. ‚Ein Mann, eine Meinung. Das nenne ich Tatkraft und Entscheidungsfreudigkeit.‘“ (Seite 265)

 

Größtenteils wird die Geschichte aus Lidas Perspektive erzählt, aber hier ist nicht nur die Entwicklung der Handlung wichtig, sondern es kommen auch so einige Wahrheiten über ihre und Jespers Beziehung ans Licht.

 

„Es ist sicher, dass sie sich nicht verspäten werden. Und dass sie jeden Preis zahlen. Ihre Tochter, die neunzehnjährige Leonie Kramer, braucht dringend eine neue Lunge.“ (Seite 183)

 

Lida ist wahrscheinlich mit das wichtigste Mitglied der Gruppe – sie sorgt mit für den Zusammenhalt und unterstützt ein jedes Gruppenmitglied wo und wie sie nur kann. Aber trotzdem bildet man sich schnell – zusammen mit Lida – Meinungen über die anderen Gruppenmitglieder und entwickelt Einstellungen zu ihnen, die sich (zumindest bei mir) aber im Laufe des Romans stark geändert haben… Aber immer wieder gibt es Abschnitte, die von einer anderen Person – Sten – erzählt werden. Was es mit ihm auf sich hat, erfahren wir erst im späteren Teil des Romans und können es anfangs nicht so richtig einordnen. Aber mehr verrate ich dazu an dieser Stelle jetzt nicht ;) Die Handlung des Thrillers enthält viele überraschende Momente und ein Ereignis folgt dem nächsten. Am Ende kommt es dann noch zu einem großen und von mir total unerwarteten Finale und einer interessanten Auflösung. Vor allem am Schluss spielen viele Emotionen, Gedanken und Gefühle eine tragende Rolle und auch der Leser kann seine Gedanken weiter spinnen – denn trotz einer Auflösung, ist das Ende doch relativ offen.

 

„Es ist stramm, so verdammt stramm! So fest ich auch drücke, meine Finger wollen einfach nicht darunterpassen. Hilfe, schreit alles in mir. HILFE! Der Druck in meiner Brust wird unerträglich, und meine Lungen brennen, als hätte jemand ein Feuer darin entfacht. Ich muss atmen … muss … muss … MUSS! Mit einem Mal lässt der Zug des Seils jählings nach und eine Gestalt löst sich aus der Finsternis. Schwarz und gesichtslos, mit langen Fingern, die meine Hände und meinen Fuß umfassen.“ (Seite 180)

 

„Ich spüre nicht einmal mehr, dass ich atme, sondern breche zusammen, als wäre ich tot.“ (Seite 181)

 

Aber nicht nur Thriller Fans wird dieser Roman gefallen, auch all jenen, die etwas für Fantasy übrig haben. Das ist vor allem ein entscheidender Punkt für mich…

 

„Früher habe ich an so etwas nicht geglaubt. An Gott. Das jüngste Gericht oder Wiedergeburt. Es war mir auch egal. Aber jetzt erlebe ich etwas anderes. Jetzt laufe ich ohne meinen Körper durch das Milberger Moor. Keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Vielleicht bin ich ja längst tot. Vielleicht ist dies gar nicht das Milberger Moor und vielleicht sind hier irgendwo auch Jan, Dennis und Christian.“ (Seite 65)

 

Aber nicht nur Spannung, Emotionen, Trauer und scheinbar ausgweglose Situationen gehören zu dem Roman. Auch Hoffnung sprüht aus den Seiten:

 

„Ich glaube, Lida geht es ähnlich wie mir. Beim Anblick der Lichter wird es warm in meiner Brust. Ich denke an Ma und Pa, an Katja und all das, was passiert ist und was mir so sehr zu schaffen gemacht hat … Bis ich Lida traf. Jetzt will ich nur noch eins: leben! Für sie. Für mich. Für uns beide.“ (Seite 417)

 

Und noch etwas muss ich sagen: Toll ist, wie viele verschiedene Situationen aus komplett unterschiedlichen Welten hier aufeinander prallen und das, macht den Roman nicht nur nie langweilig, sondern auch sehr interessant und die Handlung bleibt im Kopf – zum Nachdenken.

 

Mein Fazit:

 

Blind Walk ist ein Buch, das man lesen muss und allein vom Klappentext erwartet man nie so viel, wie tatsächlich in den Seiten steckt….. Patricia Schröder hat mich mit Spannung, Emotionen und wunderbar verschiedenen Charakteren überzeugt und ich vergebe hier ganz klar ***** fünf Sterne!

 

Autoreninfo:

 

Patricia Schröder, 1960 geboren, lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und einer Handvoll Tieren auf Eiderstedt, wo sie als freie Autorin arbeitet. Sie begann mit Rundfunkessays, später kamen Texte für Anthologien dazu. Inzwischen sind von ihr zahlreiche Kinder- und Jugendromane veröffentlicht und in andere Sprachen übersetzt worden.

 

Quelle:

 

http://www.coppenrath.de/ueber-uns/autoren/details/S/1/7/patricia-schroeder/

 

Vielen Dank an die Autorin Patricia Schröder für das Rezensionsexemplar! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    sternchen (Dienstag, 26 August 2014 17:06)

    Eine tolle Rezension! Das Buch habe ich auch gelesen, war toll!

  • #2

    Marie (Freitag, 29 August 2014 15:36)

    Da stimme ich dir zu! Eine wunderbare Rezension. Und die werden auch immer länger, Theresa ;)