Veras Geschichten

Teil 5

Inzwischen sitzen wir bei mir zu Hause auf dem Sofa und ich frage ihn, ob er einen Kaffee haben will. Daraufhin starrt er mich entrüstet an und sagt beinahe vorwurfsvoll: „Kaffee? Wissen Sie denn nichte, dass das ist schlecht fur die Umwelt? Und iste auch nicht gut fur die Wale, weil die sinde von Austerben bedroht, wissen Sie? Isch sehe mich nichte in Lage su unterstützen diese barbarische Handel und Kaffeetrinkerei.“

Das versetzt mich natürlich erstmal in einen Schockzustand, mein Mund steht sperrangelweit offen, auch meine Augen sind aufgerissen, während ich darüber nachdenke, wie viele Wale wohl schon sterben mussten, nur weil ich Kaffee trinke. Eine schreckliche Vorstellung! Sofort stürze ich ins Badezimmer, wo wir sämtliche Kaffeevorräte aufbewahren, und reiße die Pakete aus den Schränken, was ziemlich lange dauert, da ich erst letztens im Supermarkt zweihundertdreißig Packungen malaysischen Kaffee mit Kaugummi-Geschmack zum Preis für einen gekauft habe. Als ich fertig bin schleppe ich sie alle in die Küche, suche eine riesige Tonne und schmeiße alle Packungen hinein. Dann gebe ein schwarzes, klebriges Pulver dazu und gieße Wasser hinein. Dieses Pulver hat Maribelle letzte Woche erfunden, damit wir nicht so viel Müll produzieren. Man muss nämlich nur ein paar Minuten warten, dann löst sich alles, was ihm in Berührung kommt, von selbst auf. Ziemlich praktisch und ziemlich klug von Maribelle.

Ich kehre ins Wohnzimmer zurück und frage den inzwischen etwas verwirrten Italiener, ob ich ihm etwas anderes anbieten kann.

„Sie hätten nicht sufällige Froschschenkel, oder?“, fragt er, aber ich schüttle den Kopf und sage: „Nein, tut mir Leid, aber die hat mein Hund letzte Woche alle aufgefressen.“ Dann setze ich mich neben ihn und fordere ihn auf, über meinen Vater und darüber, was damals passiert sein könnte, zu erzählen. 

Er räuspert sich ziemlich lange, sodass ich ihn schon fragen will, ob er ein Hustenbonbon braucht, aber dann fängt er an: „Isch hatte ja mit ihre Vater in denselben Haus gewohnte. Und weil wir haben herausgefunden, dass wir gemeinsame Interesse hatten, haben wir eine Bande gegründet und…“

„Eine Bande?“, frage ich etwas skeptisch und ziehe die Augenbrauen hoch. „Sie meinen so wie die Wilden Hühner?“

 

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