Veras Geschichten

Teil 2

Plötzlich zupft mich mein Hund Paprika am Bein. Er will mich auf ein Kaninchen aufmerksam machen, das immer wieder gegen das Glas unserer Terassentür knallt. Es hat oranges Fell und ist wunderschön. Paprika fängt an zu bellen und ich muss ihn beruhigen.

„Maribelle“, rufe ich. „Schau mal! Ein Kaninchen! Wir könnten ihm fliegen beibringen.“

Maribelle kommt mit drei Tassen wunderbarem heißen Tee unter dem Bett hervor und nickt: „Eine gute Idee. Weißt du noch du noch letzten Herbst, als wir Benni das Fliegen beigebracht haben?“

Dann trinken wir Tee und schwelgen in Erinnerungen.

 

Nachdem wir die Tassen mit unserem Hochdruckreiniger abgespült und wieder verstaut haben, hält Maribelle mir einen Zeitungsausschnitt unter die Nase.

Gesucht! steht da

Wir brauchen kompetente Apotheker/innen, die in der Schildkröten-Apotheke am Ulf-Uttinger-Platz arbeiten möchten. Da sich niemand für diesen Job findet (aus verschiedenen Gründen, wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, informieren Sie sich bitte bei uns persönlich), bekommen Sie pro Stunde 111 Euro und 13 Cent, was eine wirklich gute Bezahlung ist.

Also, zögern Sie nicht! Melden Sie sich bei uns!

 

„Cool“, sage ich und gebe meiner Schwester den Zettel zurück. Sie starrt mich an und ihre lila Augen scheinen größer zu werden.

„Was ist?“, frage ich.

„Ich will da arbeiten“, sagt sie.

„Bist du sicher?“

Sie nickt und guckt mich ernst an.

„Findest du nicht, dass du dafür ein bisschen zu jung bist?“, will ich wissen.

Sie schüttelt den Kopf und sagt voller Inbrunst: „Sei nicht immer so pessimistisch, Jimmy!“

„Was hat das mit Pessimismus zu tun?“, frage ich aufgebracht. „Ich mache mir nur Sorgen um dich. Vielleicht wirst du von den anderen Apothekern geärgert, weil du erst zwei Jahre alt bis!“

„Ach was, mein geistiges Alter liegt bei circa 20. Das weißt du doch.“

Allerdings, das weiß ich. Obwohl Maribelle noch so jung ist, ist sie klüger, als jeder Andere, den ich kenne, mich eingeschlossen.

Ich seufze. „Na gut, dann werd eben Apothekerin. Dein Horoskop hat ja sogar gesagt, dass das Heilen deine Berufung ist.“

 

„Glaubst du etwa an Horoskope?“, fragt sie missbilligend, aber ich bin plötzlich zu erschöpft, um ihr zu antworten, und krieche unter meine Bettdecke.

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Kommentare: 2
  • #1

    Anna (Sonntag, 15 Juni 2014 15:32)

    :)

  • #2

    Marie (Mittwoch, 18 Juni 2014 15:47)

    Die Geschichte erfordert wirklich viel Phantasie, aber macht richtig Spaß zu lesen!